Gute Nachricht, nach acht Monaten in türkischer Untersuchungshaft ist der deutsche Jugendliche Marco Weiss vorerst frei und kann Weihnachten zuhause feiern. Obwohl er einen Exklusiv-Vertrag mit RTL abgeschlossen hat und sich mit seiner Familie an einem geheimen Ort aufhält, ist es einem unserer Mitarbeiter gelungen den jungen Mann zu interviewen. Sie trafen sich im Waschraum eines schottischen Imbissbetreibers.
Kassandrus-Blog: Marco, wie kommt es, dass du heute früh durch die Netze deiner Bewacher geschlüpft bist?
Marco Weiss: Alter, nach dem beschissenen Fraß im Knast muss ich mir dringend zwei, drei Big Macs und anständig Fritten einpfeifen. Und die Fernsehfuzzies pennen immer noch schön, ich bin es ja gewohnt früh aufzustehen.
KB: Was war denn das Schlimmste, was du in der Haft erdulden musstest?
MW: Na, acht Monate so ganz ohne Computer und Internet, das ist schon krass. Und ich will nie wieder Döner oder Köfte essen, Alter, nie wieder!
KB: Es heißt, du seiest schwer traumatisiert durch deine Erfahrungen im Gefängnis. Stimmt das?
MW: Bullshit. Nachdem ich auf flüssige Seife umgestiegen bin, war alles okay.
KB: Hat es einen bestimmten Grund, dass du dich seit wir das Gespräch begonnen haben mit dem Rücken an die Kachelwand drückst?
MW: Ach, ist mir gar nicht aufgefallen. Dumme Angewohnheit aus dem Duschraum.
KB: Magst du dich zu den Vorwürfen äußern, du hättest eine minderjährige Engländerin vergewaltigt?
MW: Davon kann ja wohl nicht die Rede sein, ich war ja nicht mal richtig drin. Und sie wollte es sowieso, hat mich voll scharf gemacht, die Schlampe.
KB: Marco, deine Freilassung kam erst nach dem Besuch von Vural Öger, dem bekannten türkischen Reiseunternehmer, zustande. Das hat viele Menschen verwundert.
MW: Ja.
KB: Möchtest du etwas zu deiner Verbindung mit Herrn Öger sagen?
MW: Nö.
KB: Du sprichst jetzt recht gut türkisch, was sind deine Pläne für die Zukunft?
MW: Ich kann mir gut einen Job irgendwie im Tourismus vorstellen, vielleicht Flugkapitän oder so was.
Von draußen dringt wüstes Geschrei herein, irgendwer beschimpft die junge Frau am Tresen.
KB: Bali ist ein großes Thema in diesen Tagen, was ist deine Meinung dazu?
MW: Geiles Land, immer warm, gutes Dope und auch reichlich Pilze und so, kann man endgeil abchillen. Und billig auch, besser als bei den Türken. Die haben auch nur diesen bröckeltrockenen Drecksshit, also, dass die so was rauchen mögen. Na ja, egal, vorbei.
Zwei Männer mit dem dreifarbigen RTL-Emblem an den schwarzen Bomberjacken treten die Tür zur WC-Kabine ein und greifen sich den Jungen. Unser Reporter wird mehrfach ins Gesicht geschlagen.
RTLer 1: Was glaubst du kleines Arschloch eigentlich, warum wir dir und deinen bescheuerten Alten so viel Kohle in den Hals schmeißen, häh? Etwa damit du dich hier mit so einem Provinzpisser unterhältst?
Marco springt kreischend auf die Klobrille und drängt sich mit dem Hinterteil an die geflieste Wand.
KB (stöhnend): Ich bin aus Dortmund, das ist ja wohl kaum die Provinz!
RTLer 2: Halt die Fresse, du Sackgesicht! Schlägt nochmals zu.
Sie legen Marco Handschellen an, nehmen den jungen Mann zwischen sich und schubsen ihn aus dem Waschraum. Unser Reporter erbricht sich und spuckt dabei einen Zahn aus.
KB (erneut und deutlich lauter stöhnend): Scheiße, der mit der Keramik-Krone!
Nachsatz unseres Chefredakteurs:
Wir bedauern, dass der Londoner Daily Mirror auch heute den Zusammenhang zwischen der Erderwärmung und dem erhöhten CO²-Ausstoß in Abrede stellt. Anders als viele westliche Medien, die das Resultat des balinesischen Klimagipfels als Farce bezeichnen, sind wir sehr zufrieden mit den erzielten Ergebnissen. Um es mit einem Bild zu sagen: Wenn die Passagiere eines vollbesetzten Jumbojets, der nach dem plötzlichen Tod sämtlicher Besatzungsmitglieder mit fast leeren Kerosintanks im Autopiloten-Modus in 11.000 Meter Höhe über dem Atlantik kreist, sich darüber verständigen, dass in der Business-Class wegen des hohen Stresslevels ausnahmsweise wieder geraucht werden darf, muss dies wohl mit Fug und Recht als Durchbruch und Triumph menschlicher Vernunft zu bezeichnet werden.
Wir halten Sie auch klimatisch auf dem Laufenden!