Liebe Fangemeinde,
nachdem es mir offenbar auch mit hartnäckigem Schweigen, Frauenfeindlicher Verleumdung und bewusster Falschschreibung (siehe Kunst- und Kulturbanausentum) nicht gelungen ist die ständig wachsende Nachfrage nach diffamierenden Texten zu ersticken, will ich nun mal wieder liefern. Nicht etwa ein schwerer Anfall von Reitersblock hat mich in den vergangenen Wochen daran gehindert auf der Tastatur herumzustümpern, die Verdauung bewegte sich meist innerhalb tolerabler Parameter und auch die Erkältung mit anschließender Sinusitis (täglich als biologischer Luftfilter unterwegs in einer der weltweit dreckigsten Städte und mit den Schleimhäuten löffelweise Russ, Staub und Mikroorganismen aus der Atmosphäre sieben fordert halt irgendwann einen Tribut) konnte mich nicht stoppen – ich hatte schlicht zu viel auf dem Zettel.
Nur massives Drängeln machte es schlussendlich möglich, dass wir in den letzten Tagen meines Nepal-Aufenthalts beide Gesundheitsstationen (neudeutsch Healthposts) und auch die von uns gebaute Brücke einweihen konnten. Just-in-time auf nepalesisch, möglich gemacht mit einer Kombi aus sanften Drohungen und Versprechungen. Die zwei Schulen sind noch in Bau, wir müssen dort also warten bis zum nächsten Jahr. Nebenher hatte ich natürlich wöchentlich knapp achttausend Meetings und überhaupt bis zuletzt tierisch viel um die Ohren.
(Hat dein Koffer tatsächlich am Donnerstag mit Qatar Airways den Weg nach Kathmandu gefunden, Esther? Bei der Suche durften wir zufällig miterleben wie tonnenweise Koffer, Taschen und Kartons, die teilweise schon zwei Jahre und mehr in der Ankunftshalle herumlagen endlich auf vier Anhänger verladen wurden. Nicht etwa um sie verspätet den Besitzern zu schicken, es gibt nur in der Halle keinen Platz mehr. Hoffentlich wird das Zeug wenigstens an Bedürftige verschenkt und landet nicht zuhause bei den Zöllnern. Kofferfalle Kathmandu.)
Schnee von vorgestern, denn ich befinde mich mittlerweile rund 3500 Kilometer südwestlich von Nepals Hauptstadt in Colva, einem ehemals idyllischen Fleckchen in Goa, das heute mit aller Kraft darum kämpft, eine billige Costa-Brava-Kopie zu werden. Am Mittwoch brach ich meinen Arbeitsaufenthalt im krisengeschüttelten Hindu-noch-Königreich (Nepal soll bald eine Republik werden, viel Glück dafür!) am Fuße des Mount Everest ab und ans indische Meer auf.
Der Tag hatte energetisch und mit Erfolgserlebnissen begonnen, ging aber schleppend weiter und sollte fortlaufend an Dynamik verlieren. Die Verspätungszeit vorm Abflug konnte für endlose Debatten mit den verstockten Mitarbeitern der Indian Airlines gut genutzt werden, der verlorene Koffer einer Freundin tauchte schließlich in London auf und war vier Tage nach ihrer Ankunft in Nepal sogar schon unterwegs in Richtung Abu Dhabi. Statt um halb drei startete der Flieger gegen sechs, kam aber neunzig Minuten später ohne weitere Warteschleifen durch den dicken Smog auf einer welligen Landebahn des Indira Gandhi International Airports nieder.
Dort durften wir dann allerdings in den klapprigen alten TATA-Bus des wohl dümmsten Flughafenbusfahrers im gesamten bekannten Universum steigen. Der Mann fuhr nicht nur wie eine halbblinde Siebenundachtzigjährige mit schwerem Rheuma (weshalb notwendige Gangwechsel meist unterblieben und wir größere Strecken im Kriechtempo oder mit rappelndem Motor unterhalb der Leerlaufdrehzahl zurücklegten) sondern schaffte auch noch das Kunststück, sich auf dem recht übersichtlichen Flughafengelände zu verfahren. Schon lange am Eingang zur Ankunftshalle vorbeigetuckert wendete er irgendwann umständlich und fuhr zögerlich zurück. Kurz bevor es ein überfälliges Happyend geben konnte wurden wir von der Flughafenpolizei gestoppt. Nicht wegen zu schnellen Fahrens, sondern weil es eine Bombendrohung gegeben hatte, wie ich vom zuständige Offizier erfragte, während unser Chauffeur stumm wie ein Brot hinter dem Lenkrad klemmte und die anderen Passagiere hilflos und Gottergeben transpirierten.
Die für Kordit und Semtex zuständigen Kollegen seien bereits unterwegs, und nein, wir könnten jetzt nicht weiterfahren. Es waren noch rund dreihundert Meter bis zum Arrivalgebäude und unseren Koffern, aber wir waren zum Warten verdammt. Ein Traktor mit Gepäck kam an und durfte die Sperre passieren, kurz darauf mehrere leere Busse und dann sogar ein halbvoller. Auf meine Bitte, uns ebenfalls passieren zu lassen, reagierte der Chefbulle sehr spröde. Meine Theorie besagt nun, dass unser Fahrer am ganzen Airport als hirnloser Schluffi bekannt ist und die Uniformierten sich schlicht einen Jux daraus machten, ihn ewig schmoren zu lassen. Airportmobbing. Erneute massive Intervention meinerseits inklusive heftigstes Charmieren brachten uns schließlich die Erlaubnis zum Wenden (was unserem Dussel trotz reichlich Platz kaum gelang, ich war kurz davor ihn vom Fahrersitz zu schubsen und das Steuer in die Hand zu nehmen) und eine Viertelstunde auf dunklen Rollbahnen und Zufahrten des Airports ein, bis wir endlich aussteigen durften. Dabei hielten wir einen Sicherheitsabstand zum fraglichen Bombenflieger ein, der uns auch bei Explosion einer H-Bombe schadlos hätte davon kommen lassen.
Der mit meiner kostenpflichtigen Abholung betraute Mitarbeiter des im Internet gebuchten Hotels Smyle Inn (wohlweislich nicht Smile Inn, denn zum Lächeln hat man dort kaum Grund) maulte mich sofort an, obwohl ich bereits aus Kathmandu angerufen und auf die Verspätung hingewiesen hatte. Wir sind dann gen City oder auch nach Paraganj im Main Bazaar aufgebrochen, und obwohl es schon früher Abend war brauchten wir für die 25 Kilometer echte drei Stunden.
Die Hindus feiern gerade Diwali, das Lichterfest, drei bis fünf Tage voller religiöser Zeremonien, lästiger oder lang ersehnter Verwandtenbesuche, Feuerwerk und Völlerei. In Nepal haben die Krähen, Hunde und Kühe jeweils einen heiligen Tag, an dem sie gefüttert und mit Blumengirlanden behängt werden (mit Ausnahme der misstrauischen Krähen, die mit Blütenkranz am Hals außerdem nur schlecht fliegen können). Am heutigen Freitag ist Laxmi-Puja, der wichtigste Tag. Laxmi ist die Göttin des Geldes oder Wohlstands, man legt bunte Mandalas auf den Boden vor jeder Haustür. Kräftig Öllämpchen dazu und flink einen Strich aus roter Tonerde gemalt, an dem entlang die Göttin dann ins Haus gelockt wird – schon ist bestehender wie zukünftiger Reichtum gesichert. Am Sonntag ist Bhai-Tika, dann werden alle großen Brüder von ihren Schwestern geehrt, beschenkt und mit einem besonders aufwendigen Segenszeichen auf der Stirn (dem Tika) verziert.
Aber soweit ist es noch nicht. Vorerst saß ich in einem kleinen Suzuki Omni, ein Nanobus, knapp halb so groß wie ein normaler Minibus. Der Fahrer hatte Hunger sowie schlechte Laune, und aus tief empfundener Solidarität schloss ich mich ihm an. War nicht schwer, schließlich hockte ich auf dem Beifahrersitz über dem glühenden Motorblock eingeklemmt in einem Monster-Stau bei Außentemperaturen von knapp dreißig Grad und einer Luft, die ähnlich mit Dieselabgasen gesättigt war, wie damals in den Konzentrationslagern der Nazis, bevor man auf Zyklon B umstieg. Ständig drangen unter dem defekten Klappsitz sengendheiße Öldünste hervor und mischten sich mit den Abgasschwaden, die aus den hochliegenden Auspuffrohren neben uns herkriechender Busse und LKWs direkt durch offene Seitenfenster hereingepustet wurden.
Man stelle sich einfach eine durchschmorende Sitzheizung vor und dazu ein voll aufgedrehtes Gebläse, das sonst zur Bautrocknung eingesetzt wird, plus eine Grob- und Feinstaubkonzentration, die jeden deutschen Emissionsschützer entweder in den Wahnsinn oder zum sofortigen Erlass eines bundesweiten Fahrverbots treiben würden. Anmerken sollte ich noch, dass dreispurige Fahrbahnen hier grundsätzlich von mindestens fünf Fahrzeugen nebeneinander genutzt werden und sich entlang der Stadtautobahn nach Delhi mehrfach sechsspurige Straßen kreuzen, ohne dass dort der lästige Luxus von Ampeln oder Verkehrspolizisten gebraucht würde. Blinken ist auch verpönt, man hupt einfach immerfort und drängelt nach guter alter Sitte. Das alles bei einer Verkehrsdichte, wie man sie nur aus amerikanischen Katastrophenfilmen kennt, wenn in zehn Minuten der Vulkan ausbricht/die Killerbienen kommen/der finale Kometeneinschlag stattfindet. Oder vor Hurrikan Katrina. Ist das Staugeschehen halbwegs vorstellbar?
Irgendwann hab ich mich nach hinten in den winzigen Innenraum geflüchtet, die Knie unters Kinn gezogen, stumm geschwitzt und mich in stumpfes Brüten geflüchtet. Die nächste Freude wurde mir bereitet, als der Fahrer sich weigerte bis zum Hotel zu fahren, sondern mich und meine Koffer an der Hauptstraße in die Obhut eines fröhlichen Halbstarken entließ. Wegen des Festivals wäre die Zufahrt zum Basar ab 22:00 Uhr verboten, hieß es. Der Typ schulterte meinen Samsonite, ich schlörrte Trolley samt Laptop hinter mir her durch Schlaglöcher, Dreck und quirlendvolle Gassen. Der Chauffeur verabschiedete sich unterwegs, nachdem er mehrfach und nicht besonders subtil darauf hingewiesen hatte, dass er jetzt nachhause gehen wollte und sein Trinkgeld fällig wäre.
Die Standardantwort auf die anfängliche Frage, wie weit es denn sei, lautete wie immer „just 5 minutes“. Diesmal bedeutete dieses Zeitmaß eineinhalb ermüdende Kilometer zwischen shoppenden Indern, bekifften Touristen, heiligen Kühen, Mopeds, Dreiradtaxis und streunenden Hunden, bis wir irgendwann bei einem offenen Männer-Pissoir in eine schmale Gasse abbogen (der Gestank sollte mir später eine wertvolle Wegmarke sein, als ich kurz vor Mitternacht nach einem ebenso hastigen wie späten Abendmahl zurück zum Hotel suchte).
Das mir zugedachte Zimmer war im Erdgeschoss, direkt gegenüber von Rezeption und Eingang, muffig und nahezu lichtlos. Als ich das Fehlen eines Fensters bemängelte wurde ich empört auf das very-big-window hingewiesen, dass sich in Handtuchgröße tatsächlich hinter einem Bambusrollo verbarg. Ein Stück Riffelglas in einem verzogenen Holzrahmen, der sich nicht schließen ließ, aber immerhin mit Moskitodraht davor. Obwohl ich bezweifele, dass Mücken in der Luft von New Delhi länger als 48 Stunden überleben können.
Das Wasser aus dem Bad (man duscht in Asien eigentlich immer mitten im gefliesten Badezimmer, es gibt normalerweise ein Loch im Boden und Gefälle dorthin) lief statt in den Gulli praktischerweise unter der Tür durch ins Zimmer, ich war also wegen meiner lästigen Reklamationen schnell höchst unpopulär beim Manager. Bei dem guten Mann bin ich übrigens absolut sicher, dass ihn zuletzt im Jahre 1993 jemand bei einer unkontrollierten Gesichtsbewegung ertappt hat, die man fälschlicherweise als Lächeln deuten könnte. Nun hatte ich mir ja bewusst im Internet ein preiswertes Hotel für eine Nacht gebucht, weil ich die ursprünglich 19 Stunden bis zum Weiterflug nicht auf dem Flughafen verbringen wollte. Es war also klar, dass man mir als Kurzzeitgast nicht das beste Zimmer geben würde, ich nahm daher brav vorlieb und legte mich mit dem festen Vorsatz, mindestens acht Stunden Schönheitsschlaf auf mein Konto zu kriegen, schwitzend unter den Deckenventilator.
Gegen halb zwei wurde ich von Lichtblitzen und Donnerschlägen wach. Erst dachte ich an ein katastrophales Gewitter, musste aber nach Entfernen der Ohropax am Gegröle und Weiberkreischen erkennen, dass man Chinaböller und Kanonenschläge vor meinem Fenster zündete (siehe Hinweis auf Diwali). Ich hab dann zweimal rausgerufen und um Gnade gebeten, ohne Erfolg. Irgendwann flitzte euer Chronist in Boxershorts und Schlabber-T-Shirt an den erschrockenen Boys von der Rezeption (schlafen in asiatischen Budgethotels immer vorn am Eingang, um spät eintreffende oder sturzbetrunkene Gäste hereinlassen zu können) vorbei, schloss die Tür auf und stellte sich einem guten Dutzend feiernder Inder. Sikhs mit Turban, offenbar auch ein paar nicht mehr ganz so leichte Mädchen, dazu eine bunte Mischung besoffener Typen, die es alle unheimlich witzig fanden mitten in der Nacht ihr Feuerwerk abzubrennen.
Mein zugegebenermaßen leicht enerviert vorgetragener Hinweis, dass hier zwischen all den Hotels eine Handvoll Menschen sicherlich ein berechtigtes Interesse am Nachtschlaf hätten und man daher doch einfach mal Ruhe geben sollte, wurde mit Hohngelächter quittiert. Unterstützt vom aus Hollywoodfilmen universell verbreiteten Motz-Vokabular betitelten wir uns danach wechselweise und lautstark als kopulierende Darmausgänge* und Menschen, die ihren Ödipuskomplex exzessiv mit Mama im Bett ausleben*, zeigten uns dann gegenseitig unsere gestreckten Mittelfinger und ich schlüpfte so lässig wie möglich ins Hotel zurück, wo die Eingangstür sofort hinter mir verriegelt wurde. Besser geschlafen habe ich durch diese Aktion zwar nicht, aber wenigstens hab ich den Jungs gezeigt, wer die größeren Eier in der Hose hat. Zum Glück hatten sie nicht mehr viele Kracher und sind nicht auf die Idee gekommen, mir einen davon ins -zwecks besserer Lüftung mit offenen Gittersteinen versehene – Badezimmer zu schmeißen.
Sonst gibt es nicht viel zu berichten, das Frühstück war schlecht und billig, der Manager wollte mir auch noch die Parkscheine von Airport auf die Rechnung knallen, dafür war am Morgen wenig Verkehr, sodass ich innerhalb von 40 Minuten am Flughafen war. Mein Flieger ging pünktlich raus und ich landete am Donnerstagnachmittag bei 32 Grad in Goa. Die Temperatur ist seitdem nicht spürbar gefallen, mein Hotel ist ganz okay, das Meer unheimlich meerig, piwarm, halbwegs sauber und anders als an der norddeutschen Wattenküste rund um die Uhr verlässlich an der selben Stelle anzutreffen. Überall stehen Kokospalmen rum. Ich verbringe meine Zeit damit hektoliterweise Wasser zu trinken, penetrant zu schwitzen, und mehrfach täglich darauf zu warten, dass der Strom wiederkommt damit der Ventilator sich wieder dreht. An Diwali schmücken mehr als eine Milliarde Inder ihre Behausungen mit blinkend-pulsierenden Lichterketten und bringen damit die Betreiber der indischen Kern- und sonstigen Kraftwerke zu hysterischer Verzweiflung.
Ich bin übrigens im La Ben Resort untergekommen, habe mich mittlerweile schon halbwegs eingelebt und mit dem Personal angefreundet. Nicht nur, weil ich’s dem der Besitzer – nachdem ich ihm beim Feilschen um Rabatt für’s Zimmer von meinem Buch und den Millionen Besuchern meiner Website berichtete – zugesagt habe, sondern auch weil es hier ganz nett ist und manch eine(r) vielleicht gern wissen will, wo ich bin, kommt hier die Webadresse: www.laben.net . Wie man allerdings bei dem Männernamen Ben auf den weiblichen Artikel la verfallen ist, bleibt mir unerklärt. Nebenbei fahren hier reichlich Autos mit Aufklebern wie „Praise the Lord“ und „Psalms 97“ durch die Gegend, Jesus liebt dich eben auch in Indien.
Ansonsten habe ich schon so eine Art von Urlaubsfeeling, war bereits zweimal schwimmen, gehe nachher auf ein Stück Kuchen und einen recht ordentlichen Cappuccino in ein Café, wo hinter dem Haus ein bulliger Diesel der Generator antreibt und die Klimaanlage mit Saft versorgt. Übermorgen miete ich mir einen Motorroller und suche mir eventuell eine bessere Bleibe, vielleicht sogar ein Häuschen direkt am Strand. Bilder von dort heute:
Zwei junge Männer führen den wohl größten Wasserbüffelbullen, den ich je gesehen habe, am Strand spazieren. Er hat nahezu armlange, mächtig ausladend geriffelte Hörner, pechschwarz glänzendes Fell, ein beeindruckendes Gemächt und sieht aus wie eine asiatische Version des aus Spanien hinlänglich bekannten Veterano-Osborne-Stiers, der als gigantische Werbefigur auf den Hügeln entlang der Autobahnen steht. Nicht weit von mir bleibt er stehen, scheißt einen imposanten Haufen, scharrt den dann aber durch eine lässige Bewegung seiner riesengroßen Vorderhufe mit Sand zu und macht darauf ein paar tänzelnde Schritte ins Wasser. Einen Moment denke ich die Jungs müssten ihm jetzt den Hintern waschen, aber er will offenbar nur zur Kühlung mit Wasser bespritzt werden.
Eine Krähe hat eine tote Schlange gefunden und hackt auf hellrotes, fast pinkfarbenes Fleisch ein. Ob See- oder Landschlange kann ich nicht erkennen, der Körper ist mit Sand wie paniert. Wenn Badewillige vorbeischlendern fliegt sie auf, mich beäugt sie in der Sorge, ich wolle offenbar ihr Mahl stehlen.
Überall lungern beinah haarlose, sandfarbene und meist grottenhässliche Köter herum. Sie liegen im Schatten der wenigen Boote und umso reichlicher vorhandenen Liegen und Sonnenschirme. Mit ihren stumpfen, aber langen Schnauzen und der hellen, fast nackten Haut sehen sie irgendwie schweinisch aus. Einer scharrt sich unter einer Liege eine flache Mulde in den klammen Strand, legt sich zur Kühlung hinein und schaufelt feuchten Sand über sich.
In einer sumpfigen Niederung, von wo ein flaches, brackiges Rinnsal zum Meer kriecht, stehen zwei Dutzend brauner Schweine bis zum Bauch im Wasser und schmatzen saftige Wurzeln und Knollen.
Frauen mit sehr dunkler Haut und leuchtendbunten Wickelröcken balancieren Waschschüsseln auf dem Kopf, in denen sie grüne Kokosnüsse, Papayas, Ananas, Mango und Bananenbündel adrett aufgestürmt haben. Überall sprechen sie die Touristen an, bieten ebenso wie die Schmuck-, T-Shirt-, Erdnuss-, Sari- und sonstigen Verkäufer ihre Waren an, und verabschieden sich meist mit einem Lächeln, selbst wenn sie nichts verkaufen konnten. „Remember me for tomorrow, my name is Tina/Allison/George/James“ hört man fast überall – sie sind zwar etwas nervig, aber auf nette Art. Goa war portugiesische Kolonie, daher auch die eher westlichen Namen und der Draht zu Jesus.
Indische Touristen geben ihr Geld für eine Zweiminutenfahrt als Beifahrer auf einem Jetskis aus, mit Vollgas dreihundert Meter hinaus, Wende und über die brechenden Wellen zum Strand zurück. Der Nächste bitte. Man lässt sich hinter einem Motorboot entweder zu fünft auf einer Gummibanane durch die Wellen oder einzeln an einem Gleitschirm in den diesigen Himmel schleppen. Ich erfrage die Preise und bin erstaunt, zwei Minuten Jetski kosten 300 Rupien, die Minirunde unter dem Paraglider kostet 800, fast doppelt soviel wie mein Hotelzimmer.
Männer in schlabberigen Unterhosen stapfen entschlossen und garantiert ohne Freischwimmer bis zum Bauch in die Wellen und schlingen sich hinterher löcherige Handtücher um die Hüften. Frauen sitzen entweder sittsam am Strand oder krempeln – wenn sie jung und verwegen sind – die Hosenbeine hoch und stapfen solange durch die flachen Wellenreste, bis die Jeans weit über die Knie hinauf nass sind.
Die beiden mit dem Wasserbüffel kommen zurück, diesmal treiben sie ihn im schnellen Trab entlang der Wasserlinie. Einer läuft vornweg mit dem Seil, der andere klatscht rhythmisch mit einem dünnen Ast auf das mächtige, schwankende Hinterteil. Kommen sie aus dem Dorf zurück, wo der Bulle eben eine Büffelkuh besprungen hat oder ist dieser Lauf Teil des täglichen Fitnesstrainings, weil er bald auf einer Leistungsschau preisgekrönt werden soll?
*fucking arsehole, motherfucker