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Hier coacht der Anwalt

Geschrieben von Johannis am 28. Februar 2014 um 17:19 Uhr

Alles hat seinen Preis, auch die Wahrheit. Bei Letzterer kostet es oft schon einen hohen Preis, sie auszusprechen oder sonst irgendwie publik zu machen. Deshalb wurde kürzlich in China der Bürgerrechtler Xu Zhiyong zu vier Jahren Haft verurteilt, weil er Transparenz bei Politiker-Vermögen gefordert hatte. Die durch und durch korrupte Führungsclique der kommunistischen Partei bereichert sich seit Jahrzehnten in dreistester Weise und versteckt Summen in Milliardenhöhe auf Offshore-Konten in Steueroasen. Als Reaktion auf den Skandal, der als Offshore-Leaks bekannt wurde, verschwinden Bürgerrechtler wie Xu Zhiyong im Gefängnis oder Arbeitslager, werden Webseiten gesperrt und die Zensoren löschen Tweets im Akkord.

Vor Gericht und auf hoher See ist manfrau bekanntlich in Gottes Hand, aber oft genug scheint es, als sei der Allmächtige an Kinderlähmung erkrankt oder als hätte die Mutter Gottes während der Schwangerschaft Contergan genommen. Justitia wird meist mit verbundenen Augen dargestellt, das ist wenig vertrauenserweckend und lässt nicht auf großen Durchblick schließen. Auch deshalb habe ich zähneknirschend bezahlt, als mir im November eine Abmahnung ins Haus flatterte, statt mich vor Gericht auf einen Kampf David gegen Goliath einzulassen. Doch lasst mich die Geschichte von Anfang an erzählen.

2002 bis 2004 investierte ich viel Zeit und Geld für Seminare und in eine Ausbildung bei der CoachingAcademie Bielefeld. Von der Ausbildung wurde ich nach vier von sieben absolvierten Modulen ausgeschlossen. Bereits gezahlte Gebühren wurden mir anteilig erstattet, aber das ist ein bisschen so, als würde manfrau auf einer einsamen Insel leben, selbst nicht nähen können und beim einzigen Schneider einen Mantel in Auftrag geben. Wenn der Inselschneider dann überraschend den halbfertigen Mantel und einen Teil des für seine Arbeit vereinbarten Lohns zurückgibt, nützt einem das wenig. Etwa so viel wie mir die Teilnahmebescheinigungen der CoachingAcademie.

Offizielle Begründung für den Ausschluss war, dass ich ein mir selbst gesetztes Ziel (nämlich den erhofften Job bei einer Menschenrechtsorganisation zu bekommen, bei der ich mich beworben und ein einstündiges, sehr angenehmes Vorstellungsgespräch absolviert hatte) nicht erfüllte. Konnte ich nicht, denn leider bekam jemand anders den Job. Meine persönliche, vollkommen subjektive und somit irrige Wahrnehmung war hingegen, dass ich im Verlauf der Ausbildung zu viele unbequeme Fragen gestellt und die Methodik der CoachingAcademie angezweifelt habe. Dies ist und muss aber falsch sein, denn schließlich habe ich im November 2013 eine Unterlassungserklärung unterschrieben, derzufolge ich jedes Mal 1000 € zahlen muss, wenn ich solchen Unsinn behaupte. Was ich ausdrücklich nicht tue. Unsinn behaupten. (siehe unten)

Zweimal habe ich bisher in diesem Blog über die CoachingAcademie geschrieben, einmal eher am Rande im Beitrag Zwangscoaching und dann sehr detailliert vor gut einem Jahr unter der Überschrift Coaching in der Xxxxx? (Xxxxx = Schaumwein, deutsch, Mehrzahl). Beide Beiträge zusammen wurden etwa 15.000 mal gelesen. Am 6. November 2013 ging meine Besucherstatistik durch die Decke. Auslöser war ein Beitrag auf vice.com mit dem Titel „Wie ich beinahe von einer Coaching-Sekte transformiert wurde“ und ein Link zu meinem Blog. Der Autor Jan Vollmer beschrieb detailliert, anschaulich und durchaus kritisch eines jener Basisseminare, wie auch ich es im November 2002 besucht habe. Nach drei Tagen verschwand der Beitrag aus dem Netz und mir schwante nichts Gutes.

Kurz darauf kam die Abmahnung der Anwaltssozietät Dr. Becker aus Bielefeld, zusammen mit einer Kostenrechnung über 281,30 €. Vorgeworfen wurde mir eine Urheberrechtsverletzung, weil ich in meinem zweiten Beitrag über die CoachingAcademie ein Video eingebunden hatte, das auf der frei zugänglichen Facebookseite der CoachingAcademie für derzeit 1,2 Milliarden Facebook-User erreichbar ist. (Damals gab’s noch die Funktion Einbetten, heute gibt’s nur noch Teilen. Per copy&paste konnte man den HTML-Code kopieren, um Videos einzubauen, ähnlich wie YouTube es anbietet.) Weiterhin ging es um meine erklärtermaßen unsinnige Behauptung, man hätte mich wegen unbequemer Fragen von der Coachingausbildung ausgeschlossen, sowie den Vorwurf, ich hätte die Mandantin der Anwaltskanzlei in meinem Blogbeitrag mehrfach als „Sekte“ oder sektenähnliches Unternehmen bezeichnet. Letzteres bestreite ich ausdrücklich.

Ihr könnt euch meine Empörung wahrscheinlich vorstellen, ich habe geschäumt vor Wut. Wie warmer Schaumwein, unsachgemäß geöffnet. Hab an das Grundgesetz gedacht und mein Recht zur freien Meinungsäußerung, an Zensur und Unterdrückung, an Robin Hood und Che Guevara. Und mir dann einen Anwalt genommen, obwohl ich das eigentlich für überflüssig hielt. Der riet mir jedoch, die geforderte Unterlassungserklärung zu unterzeichnen und die Rechnung der Anwaltssozietät Dr. Becker zu bezahlen. Und seine natürlich. In Summe hat mich der ganze Quatsch fast 400 € gekostet, dazu eine Menge Nerven und unnütz verplemperte Zeit. Ob die jetzt mit Schreiben verbrachten Stunden ebenfalls dazu zählen, ist ungewiss. Tatsache ist jedenfalls, dass ich bezahlt und unterschrieben habe. Außerdem waren die beiden Blogbeiträge seitdem gesperrt, also nur mit Passwort lesbar. Was mir eine Reihe von interessanten Anfragen eingetragen hat. Es gibt erstaunlich viele Menschen, die sich Gedanken über die CoachingAcademie, deren Geschäftsgebaren und Umgang mit Menschen machen. Und weil man im Netz seltsamerweise so gut wie keine kritischen Äußerungen über die CoachingAcademie findet, landen die Leute schließlich in meinem Blog.

H. schrieb beispielsweise „Hallo Kassandrus, verrätst du mir, wie ich Beiträge in deinem Blog lesen kann? Ich würde gerne über deine Erfahrungen mit der CoachingAcademie lesen. Ich wurde vor einigen Tagen zu einem Infoabend geschleppt und fühlte mich irgendwie unwohl. Jetzt versuche ich ein paar Meinungen zu finden, normalerweise keine Problem im Internet. Aber es gestaltet sich sehr schwierig, mehr über die Methoden dieser Firma herauszubekommen. Hättest du etwas dagegen, wenn ich deine Beiträge lese? Mit freundlichen Grüßen, H.“

Von M. kam folgende Mail:

„Hallo, Du hast hier (ich glaube) zwei Blogeinträge über die Coaching Academie geschrieben, die passwortgeschützt sind. Komme ich da irgendwie dran? Oder kannst Du sie mir einfach kopieren und per Mail schicken? Ich war letztes Wochenende da und bin an Erfahrungen interessiert, weil ich Teile der Arbeit da wirklich gut finde, aber den „shiny-happy-people“-Rahmen und das Multi Level Marketing eher fragwürdig finde. Maria Craemer hat übrigens gesagt, dass sie zwei Unterlassungserklärungen erwirkt hat, ich weiß nicht, ob Dich das betrifft.
Würde mich freuen! Einen schönen Tag wünscht M.“

Ich bin ziemlich sicher, dass sich das Würde mich freuen! nicht auf die Unterlassungserklärungen bezieht.

Ein anderer M. (hab versprochen, dass niemand beim Namen genannt wird) schrieb: „Hallo Johannis,
leider kann man deinen Artikel auf deinem Blog zur CA Bielefeld nur mit Passwort lesen. Ich habe 2004 auch mal bei denen ein paar Seminare gemacht, mich mittlerweile aber ziemlich von ihren Gedanken distanziert. Dürfte ich deinen Artikel lesen? Ich bin über deine Antwort bei gutefrage.net auf deinem Blog gelandet. Ich mache mir gerade ein Bild über das Unternehmen heute. Auf der Seite der Sektenbeauftragten scheinen sie mittlerweile nicht mehr zu sein!?
Herzl. Gruß aus Berlin, M.“

Solche und ähnliche Anfragen beantwortete ich mit dem Hinweis auf die Abmahnung und dem Versprechen, dass beide Beiträge in entschärfter Version demnächst wieder öffentlich zugänglich sein würden. Ergänzt um einen weiteren Text, und das ist dieser hier. Weiter unten findet ihr sowohl den Wortlaut der Abmahnung als auch der Unterlassungserklärung, die ich unterschreiben musste. Der gelöschten Beitrag von Jan Vollmer könnt ihr unter diesem Link nachlesen. Bis in Googles Cachegedächtnis hat der Text es nicht geschafft, dazu wurde er zu schnell gelöscht, vermutlich ebenfalls auf Betreiben der Anwaltssozietät Dr. Becker aus Bielefeld. Aber es gibt zum Glück Webseiten, die nichts anderes tun, als Inhalte von anderen Seiten zu archivieren. So blieb der Beitrag samt Fotos erhalten und ich muss hier keinen Screenshot einbauen und weiteren Ärger mit den Bielefelder Anwälten riskieren. Die residieren übrigens unter der gleichen Anschrift wie die CoachingAcademie, Hausnummer fünf in der Goldstraße. Schöne Adresse, echt goldig!

Bekanntlich ist nicht alles Gold was glänzt. Vom chinesischen Philosophen Laotse stammt das Zitat “Wahre Worte sind nicht angenehm, angenehme Worte sind nicht wahr.” Wer den Satz „Wenn du mit Scheiße schmeißt, hast du hinterher dreckige Hände” gesagt hat, weiß ich nicht, finde ihn aber treffend. Keineswegs möchte ich mit diesem Beitrag Fäkalien auf dem Luftweg nach Bielefeld entsenden. Ich erlaube mir aber einen kritischen Blick auf jene Apologeten der Selbstoptimierung und des grenzenlosen Machbarkeitswahns, die ähnlich wie weiland der Rattenfänger von Hameln durch die Lande ziehen und fleißig Schäfchen einsammeln. Ob das geschieht, um ihnen zu höherem Bewusstsein und mehr Lebensqualität zu verhelfen, oder ob man ihnen Geld aus der Tasche und das Fell über die Ohren ziehen will, mag jeder selbst beurteilen. Ein schrecklichschönes Beispiel von leider beängstigend vielen ist Veit Lindau und sein Living Master Club (schaut euch das Video bitte nur dann an, wenn ihr einen robusten Magen oder eine Kotztüte zur Hand habt). Leute wie er tragen dazu bei, dass Coaching leider keinen besonders guten Namen hat. Zurecht sollte manfrau sich ein gesundes Misstrauen bewahren, wenn manfrau sich in der Coachingszene bewegen will. Unabhängig davon gibt es in diesem Land ein große Anzahl anständiger und vertrauenswürdiger Trainer und Coaches, die sich kundig und zuallererst für das Wohl ihrer Klienten engagieren. In aller Bescheidenheit zähle auch ich mich zu dieser Gruppe.

Ceterum Censeo: »Im Übrigen bin ich der Meinung, dass die Menschheit in rasantem Tempo und offenbar vorsätzlich ihre Lebensgrundlagen vernichtet. Nur radikal geändertes Denken und Handeln kann uns retten. Zur Umkehr bleibt kaum noch Zeit.«

 

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Rentierwahnsinn

Geschrieben von Johannis am 25. Januar 2014 um 09:14 Uhr

Den schwersten Job im ganzen Universum – und das schließt ausdrücklich alle erdähnlichen Exoplaneten samt ihrer Bewohnerschaft aus trichterohrigen quietschgrünen Männchen, Weibchen und Neutren ein – hat eindeutig der Weihnachtsmann. Innerhalb von 24 Stunden muss er weltweit Gigatonnen von oftmals schlampig verpackten und nicht selten extrem geschmacklosen Geschenken an ihre vielfach undankbaren Empfänger zustellen. Auf einem achtspännigen Rentierschlitten. Da ihm für diese Aufgabe nur gut eine Millisekunde pro Haushalt zur Verfügung steht und die Anzahl der Präsente von Jahr zu Jahr wächst, vollbringt Father Christmas alljährlich eine logistische Meisterleistung. Und das unter extremer Lebensgefahr, denn wegen der hohen Reisegeschwindigkeit (gut 1040 Kilometer pro Sekunde) und der dabei entstehenden atmosphärischen Reibungshitze fliegen ihm permanent Brocken verdampfender Rentiere um die Ohren. Ein ebenso lästiger wie unappetitlicher Effekt, begleitet von widerlichen Geruchsentwicklung. Jeder kann sich wohl vorstellen, wie ein brennendes Rentier stinkt.

Kleinliche und rechthaberische LeserInnen mögen an dieser Stelle einwenden, dass in den englischsprachigen Ländern die Bescherung erst am ersten Weihnachtstag stattfindet (Boxing Day), orthodoxe Christen beispielsweise in Russland erst am 6. Januar feiern, und erhebliche Teile der Weltbevölkerung nicht jenem sozialkritischen Revoluzzer huldigen, der von den Römern blutüberströmt und sterbend ans Kreuz genagelt als symbolhafte Bildhauerarbeit unsere christlichen Gotteshäusern ziert. Ja, das reduziert den Stress des Weihnachtsmanns ein wenig, wurde aber bei der Berechnung der tatsächlichen Arbeitsleistung und Reisegeschwindigkeit bereits berücksichtigt. Und mitnichten beschränkt sich der anstrengende Job von Father Christmas auf drei oder vier Tage jährlich, denn den Rest des Jahres züchtet er Rentiere und trainiert den blitzschnellen Wechsel der treuen Paarhufer, damit er Heiligabend möglichst wenig Zeit verliert, wenn unterwegs schon wieder ein Gespann verdampft ist. Zum Glück muss der Weihnachtsmann in den unchristlichen Gegenden dieser Welt nicht auch noch all die Bombenpakete zustellen, mit denen sich verfeindete Sunniten und Schiiten gegenseitig vom rechten Gottverständnis überzeugen und gleichzeitig in Stücke sprengen wollen.

Auch die Arbeit bei ganzjährig tätigen Paketzustellunternehmen ist nicht leicht. Das liegt unter anderem daran, dass wir immer mehr im Internet einkaufen. Rund 10 Millionen Sendungen waren im Dezember unterwegs, pro Tag. Zalando-Partys sind zwar nicht mein Ding, aber auch ich bekenne mich schuldig die Weihnachtsgeschenke für meine beiden Nichten bei Amazon bestellt zu haben. Weil’s so praktisch ist. Dachte ich. Und weil der frühe Vogel bekanntlich den Wurm fängt (der frühe Wurm wird leider gefressen), bestellte ich die gewünschten DVDs und Hörbücher schon Anfang Dezember.

Zustellung durch DHL, früher Deutsche Bundespost. Kerstin – die ebenso liebenswerte wie kompetente DHL-Frau, die seit Jahren für meinen Kiez zuständig ist – war aber offenbar krank oder hatte Urlaub, jedenfalls lag feierabends eine Benachrichtigung in meinem Briefkasten, dass ich die Sendung vom Hauptpostamt abholen müsse. Nicht etwa bei einem meiner Nachbarn, wie das sonst hier im Hause üblich ist. Was ich in den folgenden Tagen mit DHL erlebte – wo offenbar eine größere Anzahl von Weihnachtsmännern beschäftigt ist, die ausgemustert wurden, weil sie nicht durch Schornsteine passen oder ungeschickt im Umgang mit brennenden Rentiergespannen sind – habe ich chronologisch aufgeschrieben und an den Kundenservice der DHL gemailt. Lest selbst:

Sehr geehrte Damen und Herren,
zu Ihrer Information oder Unterhaltung kommt hier eine detaillierte Schilderung meiner neuesten und wirklich haarsträubenden Erfahrung mit DHL:

Donnerstag, 5. Dezember: Eine an mich adressierte Paketsendung konnte nicht zugestellt werden, im Briefkasten liegt eine Benachrichtigungskarte.

Freitag, 6. Dezember: Da ich beruflich stark eingespannt bin und weder Zeit noch Lust habe das Paket abends nach Feierabend in der völlig überfüllten Hauptfiliale abzuholen, beantrage ich telefonisch eine erneute Zustellung. 7 Minuten Warteschleife, dann ein längeres Gespräch mit einer Mitarbeiterin, die mir zum Schluss die Auftragsnummer 918884816 mitteilt. Die erneute Zustellung ist vorgesehen für Montag, den 9. Dezember.

Montag, 9. Dezember: Abends gegen 18:30 Uhr schaue ich in meinen leeren Briefkasten und wundere mich. Kein Hinweis, wer mein Paket angenommen haben könnte. Der Zettel mit den Namen jener Nachbarn, bei denen die Sendung bitte abgegeben werden sollte, klebt unangetastet am Klingelbrett. Ich überprüfe den Status der Sendung online und stelle fest, dass mein Paket immer noch in der Hauptfiliale liegt.

Dienstag, 10. Dezember: Auf telefonische Nachfrage erklärt mir eine Ihrer Mitarbeiterinnen, dass die genannte Auftragsnummer nicht existiert und im System unter der Sendungsnummer kein Auftrag für erneute Zustellung zu finden ist. Auf meine Frage, wie das denn bitte angehen könne, antwortet sie: “Keine Ahnung, das habe ich nicht zu verantworten.” Sie fragt dann umständlich alle Details für einen Auftrag zur erneuten Zustellung ab und gibt den Auftrag zum zweiten Mal ins System ein, seltsamerweise unter der gleichen Auftragsnummer wie zuvor. Das ganze Prozedere dauert fast eine Viertelstunde, inklusive Wartezeit in der Hotline. Auf meine Anregung, dass frustrierte Kunden sicherlich erfreut auf irgendeinen Ausdruck des Bedauerns reagieren würden (zumindest mir geht es so), würgt sie widerwillig ein “Tut mir leid” hervor. Der zweite Versuch zur erneuten Zustellung soll am Mittwoch stattfinden.

Mittwoch, 11. Dezember: Zu Feierabend grüßt mich hämisch grinsend das Murmeltier. Alles wie am Montag – keine Benachrichtigung, kein Paket, keiner der Nachbarn hat irgendwas gehört oder gesehen. Ich überprüfe den Status der Sendung online und stelle fest, dass mein Paket unverändert bei der Hauptpost liegt.

Donnerstag, 12. Dezember: Mittelschwer genervt rufe ich vormittags wieder bei der Hotline an und erfahre, dass unter der genannten Auftragsnummer auch diesmal kein Auftrag existiert, das Paket setzt nach wie vor in der Hauptfiliale Staub an. Die ziemlich hilflos wirkende Mitarbeiterin erklärt mir dann, dass eine erneute Zustellung nicht mehr möglich sei, das Paket hätte schon zu lange in der Filiale gelegen. Auf der Benachrichtigungskarte steht aber 7 Werktage für Sie aufbewahrt! Nach meiner Rechnung ist der siebte Werktag noch nicht rum, fällt jedoch auf Freitag den 13. Kein gutes Omen! Auf den Widerspruch hingewiesen korrigiert sie sich und behauptet, in manchen Teilen Deutschlands würden Sendungen nur sechs Werktage aufbewahrt. Klingt wenig plausibel. Nochmals einen Auftrag zur erneuten Zustellung will sie nicht aufnehmen, ich solle den Auftrag doch bitte online erteilen. Sie würde den Vorgang jetzt an das Beschwerdemanagement weiterleiten, von dort erhielte ich umgehend Feedback. Meine sauertöpfische Bemerkung, dass ich kein Feedback sondern mein Paket wolle, quittiert sie mit gestammelten Worten der Hilflosigkeit.

Kurz nach diesem Telefonat gehe ich während meiner Arbeitszeit auf die Webseite der DHL, um zum dritten Mal die erneute Zustellung zu beantragen. Völlig idiotisch finde ich, dass man dort sämtliche Angaben von Hand eintippen muss, obwohl das System alle Details des Empfängers unter der Sendungsnummer gespeichert hat. Nach einigen Minuten bin ich fertig und klicke auf Senden. Abends zuhause angekommen finde ich eine Mail mit folgendem Inhalt vor:

Sehr geehrter Kunde,
vielen Dank für Ihren Auftrag. Ihren Wunsch nach einer erneuten Zustellung haben wir erhalten und unter der Auftragsnummer 918973499 erfasst. Wir werden Ihnen Ihre Sendung voraussichtlich am Freitag, dem 13.12.2013 zustellen.

Sollten Sie noch Fragen haben, senden Sie uns einfach eine E-Mail. Bitte belassen Sie zur besseren Zuordnung Ihrer Anfrage den bisherigen Schriftverkehr in der Mail. Herzlichen Dank! Unsere Kundenberater stehen Ihnen aber auch unter der unten aufgeführten Serviceline gern zur Verfügung.

Mit freundlichen Grüßen
Ines Mann
Kundenservice
DHL Vertriebs GmbH
Weidestr. 122 d
22083 Hamburg
Deutschland

Freitag, 13.12.2013: Zum dritten Mal klebe ich morgens den Zettel mit den Namen sämtlicher Nachbarn, bei denen die Sendung abgegeben werden kann, ans Klingelbrett und fahre zur Arbeit. Frohen Mutes. Abends ist alles wie Montag und Mittwoch. Im Vorgarten wälzt sich das Murmeltier feixend auf dem Rasen und bepisst sich vor Lachen – keine Benachrichtigung, kein Paket, keiner der Nachbarn hat irgendwas gehört oder gesehen. Ich kann es nicht glauben, raufe mir die letzten verbliebenen Haare und würde am liebsten Amok laufen, weiß aber nicht, wen ich erschießen soll. Mit dieser Performance hat DHL wahrhaftig den Mount Everest der Inkompetenz erklommen, ganz ohne Sherpas und Sauerstoffflaschen.

Erneut überprüfe ich den Status der Sendung online und stelle fest, dass mein Paket angeblich um 14:00 Uhr zugestellt wurde. An mich persönlich. Völlig unmöglich, da ich erst um 18:00 Uhr Feierabend hatte. Ich fühle mich zwar gelegentlich innerlich zerrissen, halte mich aber meines Wissens nie an zwei Orten gleichzeitig auf. Ungläubig und fassungslos wähle ich zum vierten Mal die Rufnummer 0228-28609898 und höre mir in der Warteschleife die mehrsprachigen Beteuerungen an, dass DHL sofort für mich da sein wird. Dieses Gespräch mit der Mitarbeiterin der Service Hotline dauert fast zehn Minuten. Anfänglich behauptet sie, das Paket sei zu Amazon zurückgegangen. Erst nachdem ich ihr die Details der Sendungsverfolgung vorlese, wird sie unsicher und schaltet dann die Leitung für etwa fünf  Minuten stumm. Als sie schließlich wieder zu hören ist, erklärt mir die junge Frau, das Paket wurde einem unbekannten Empfänger ausgehändigt, die Unterschrift sei nicht lesbar. Ich müsse jetzt bei Amazon anrufen und darum bitten, dass Amazon einen Nachforschungsauftrag erteilt. Nein, sie könne den Nachforschungsauftrag nicht annehmen, darum müsse ich mich kümmern. Bei Amazon. Fassungslos lege ich auf.

Etwa eine dreiviertel Stunde später logge ich mich in mein Amazon-Konto ein, finde schnell die Seite für Kundenservice und Reklamationen, und klicke auf den Button “Bitte um einen Rückruf”. Dreißig Sekunden später klingelt mein Telefon und ein freundlicher, kompetenter und verständnisvoller Mitarbeiter bearbeitet den Fall in wenigen Minuten. Um 22:37 Uhr werde ich per Mail informiert, dass die kostenlose Ersatzlieferung bereits per Express verschickt wurde. Als ich am Samstagabend heimkomme, liegt eine Benachrichtigung in meinem Briefkasten. Die Sendung ist bei einer Nachbarin abgegeben worden und wird mir zwei Minuten später unversehrt ausgehändigt.

Keine Ahnung, wofür das Akronym DHL steht. Ich werde die 3 Buchstaben zukünftig mit D für dümmlich, H für hochnäsig und L für lahmarschig besetzen. Irren ist menschlich und jeder macht mal Fehler, aber denselben Fehler dreimal nacheinander zu machen ist wirklich ausgesprochen peinlich. Fail oder Fuckup sagt man heute wohl. Was Ihr Unternehmen und seine Mitarbeiter sich mit mir geleistet haben, lässt sich allerdings nur unter Megafuckup verbuchen. Vielleicht sollten Sie sich ein Beispiel am Service und der Performance von Amazon nehmen, insbesondere wo Sie zum kommenden Jahr wieder die Preise für Paketdienstleistungen anheben. Übrigens – das versprochene Feedback von Ihrer Abteilung für Beschwerdemanagement kam bisher nicht. Aber auch das passt wunderbar ins Gesamtbild eines Unternehmens, das tolle Werbefilm macht, aber unfähig ist, ein Paket korrekt zuzustellen.

Ein PDF vom Status der Sendungsverfolgung hänge ich an und bin gespannt, ob ich von Ihrem Unternehmen nochmal höre. Idealerweise so etwas wie eine Entschuldigung. Ein Gutes hatte die Geschichte auf jeden Fall, denn die Leser meines Blogs werden sich sicherlich freuen und hämisch über DHL lachen. DHL wie dämliche hilflose Loser.

Mit freundlichen Grüßen…

Die Antwort fiel etwas schmallippig aus. Claudia Seidel vom Kundenservice schrieb mir:

Sehr geehrter Kunde,
vielen Dank für Ihre E-Mail. Es tut uns sehr leid, dass wir mit der Ausführung unserer Dienstleistung Ihre Erwartung verfehlt haben. Umso mehr schätzen wir, dass Sie sich Zeit genommen haben, uns über den genauen Sachverhalt Ihrer Unzufriedenheit zu informieren. Für die Ihnen entstandenen Unannehmlichkeiten bitten wir um Entschuldigung. Ihre E-Mail wurde in den laufenden Vorgang aufgenommen.

Bitte haben Sie jedoch Verständnis dafür, dass wir auf Anfragen in der von Ihnen gewählten Form nicht weiter eingehen werden. Gern stehen wir Ihnen künftig bei sachlichen Anfragen weiterhin zur Verfügung.
Mit freundlichen Grüßen…

Wie ich heute weiß, ist die Sendung tatsächlich an Amazon zurückgeschickt worden. Sie kam dort in der ersten Januarwoche an (DHL füttert seine Rentiere offenbar nicht mit Kraftfutter) und der fiese steuerflüchtige Onlinehändler hat mir mittlerweile sogar drei Euro für Porto erstattet, obwohl die versehentliche Rücksendung mich kein Geld gekostet hat, sondern nur Nerven. Danke. Und die Moral von der Geschicht? Diese Welt (und besonders DHL) braucht mehr echte Weihnachtsmänner. Unerschrockene bärtige Kerle, die mit 3000facher Schallgeschwindigkeit durch die Lüfte sausen, um Pakete pünktlich abzuliefern. Auch wenn vorm Schlitten die Rentiere schneller verglühen als Raketen in der Silvesternacht, Father Christmas ist nicht zu stoppen. Gut so!

Ceterum Censeo: »Im Übrigen bin ich der Meinung, dass die Menschheit in rasantem Tempo und offenbar vorsätzlich ihre Lebensgrundlagen vernichtet. Nur radikal geändertes Denken und Handeln kann uns retten. Zur Umkehr bleibt kaum noch Zeit.«

 

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Sendezeitverschwendung

Geschrieben von Johannis am 3. Januar 2014 um 13:49 Uhr

Hinter uns liegt der schlimmste Jahreswechsel aller Zeiten. Tragische Tage der Trauer und Sorge, schmerzhafte Stunden des Bangens und Zagens. In der Silvesternacht war es totenstill, kein Gläserklingen, kein Feuerwerk, nirgendwo knallten die Sektkorken. Ein ganzes Land gelähmt vom Kummer, vereint im Gebet, hoffend auf ein Wunder. Und für das neue Jahr gab es nur einen einzigen Wunsch – möge unser heldenhafter Heilsbringer bald genesen.

„Schlimmster Jahreswechsel aller Zeiten“, höre ich nun manch herzlosen Menschenfeind fragen, „was war denn 2004? Da sind am zweiten Weihnachtstag in den Monsterwellen des Tsunamis fast eine Viertelmillion Menschen ersoffen.“ Ja, stimmt, das war auch nicht schön. Aber es handelte sich bei den Opfern überwiegend um unbekannte Menschen in der Dritten Welt, und die sind bekanntlich Kummer gewöhnt. Und auch jene Touristen, die in Thailand oder anderswo ihr finales Wellenbad nahmen, kannte kaum jemand. Anders bei Schumi, er ist wie ein Bruder für uns, wird von allen geliebt. Der sechsfache Formel-1-Weltmeister ist eine Lichtgestalt, ähnlich wie Boris Becker. Beide sind vielleicht nicht besonders helle, aber nun ist der Rennfahrer auch noch auf den Kopf gefallen. Beim Skifahren abseits der Piste.

Doch er stürzte nicht etwa wegen überhöhter Geschwindigkeit und halsbrecherischer Fahrweise, wie seine Managerin eilig verlautbaren ließ, sondern wurde durch die grausame Hand des Schicksals zu Fall gebracht. Michael Schumacher ist das erste und prominenteste Opfer des Klimawandels, denn in den französischen Alpen liegt zu wenig Schnee. Und unter diesem Schnee lauern tödliche Felsbrocken. Scharfkantig und steinhart. Typisch, diese fahrlässige Schlamperei der Rotwein trinkenden Froschfresser – als könne man so ein Alpenpanorama nicht ebenso gut aus Glasfaser, Kunstharz und grauen Schaumstoffklötzen bauen. Benutzerfreundlich eben. Es würde mich nicht wundern, wenn die neidzerfressenen Franzmänner es insgeheim auf unseren Weltmeister abgesehen haben, denn die Tage von Jean Alesi und Alain Prost sind längst vorbei.

Am Silvesterabend und auch tags zuvor gab es in den Nachrichten nur ein einziges Thema – Schumi. ZDF-heute und auch die Tagesschau widmeten leider nur jeweils ein Drittel ihrer abendlichen Hauptsendungen den Hämatomen und Hirnprellungen unseres Weltmeisters der Herzen. Beschämenderweise verzichtete man sogar auf Sondersendungen à la Brennpunkt und ZDF-Spezial. Ziemlich instinktlos, finde ich. Zumindest unsere Kanzlerin, die ostdeutsche Moppelelse und opportunistische Fähnchennachdemwindedreherin, schaltete schnell und schickte Steffen Seibert vor die Kameras. Der professionelle Aussagenvermeider und Worthülsendrescher trieb dem Volk salbadernd bittersalzige Tränen in die Augen und wünschte Schumis Familie Kraft, Zuversicht und Zusammenhalt. Zusammenhalt? Bahnen sich etwa schon Erbschaftsstreitigkeiten an? Nicht ohne Grund lebt Michael Schumacher – geschätztes Jahreseinkommen zu aktiven Zeiten 150 Millionen – seit langem als Steuerflüchtling in der Schweiz.

Enttäuschend fand ich, dass unsere stets in einfarbige Sakkos (ist die phonetische Ähnlichkeit zum Sack zufällig?) gehüllte Regierungschefin das Leiden des pensionierten Rennfahrers in ihrer Neujahrsansprache mit keinem Wort erwähnte. Ganz schlechter Stil, so etwas kann man sich nur kurz nach der Bundestagswahl erlauben. Zumindest der unbekannte Vereinsvorsitzende eines von zigtausend Schumi-Fanclubs fand zwischen Pokal-Imitationen und knallroter Ferrari-Bettwäsche die richtigen Worte: Sechs Weltmeistertitel hat Michael bereits gewonnen, nun fährt er um den siebten und wichtigsten, um sein Leben. Gut – fahren stimmt nicht ganz, wenn man im künstlichen Koma liegt, da wird man wohl eher geschoben. Von den Krankenschwestern in den OP und zurück. Jammerschade, dass er auf solch tragische Weise das Steuer aus der Hand geben muss.

Mitleid habe ich aber auch mit den vielen hundert Journalisten aus aller Welt, die ihre Ü-Wagen im Schneematsch vor der Klinik in Grenoble aufgebaut haben und frierend neben den Kameras auf Neuigkeiten warten. Nix passiert. Einmal täglich stottert die nervöse blonde Managerin von Schumi ein paar Zeilen in die Mikrofone, das war’s dann. Kackjob! Angeblich wollen Fans heute Abend Glückwünsche und Grüße an die Krankenhausfassade projizieren, hoffentlich gibt das wenigstens ein paar sendetaugliche Bilder.

Nur wirklich böse und hartherzige Menschen mögen sich fragen, womit dieser ganze Zinnober gerechtfertigt wird. Menschen wie ich beispielsweise. Welche Verdienste hat Schumacher sich erworben, wenn man von den Millionen absieht, die er als rundendrehender Werbeträger gemacht hat. Wäre die Welt ärmer ohne Formel-1-Rennen? Müssen wirklich 14-tägig irgendwo in der Welt Hunderttausende Fans klimaschädlich anreisen, um ein paar Typen zuzuschauen, die besonders talentiert im Verbrennen von Sprit und Gummi sind? Ist das tatsächlich Sport? Eigentlich geht es doch nur um Kohle, um Werbung mit Nervenkitzel.

Wie auch immer, schön zu sehen, dass die Menschheit zusammensteht in Bestürzung, Hoffnung und Mitgefühl. Auf Twitter kann man unter dem Hashtag #PrayForSchumi viel Herzerwärmendes lesen, zum Beispiel Glückwünsche zu Schumis 45. Geburtstag. Allerdings auch manch kitschigen Eintrag, der Übelkeit und Würgreiz auslöst. Die Welt ist offenbar voll von Menschen, deren Leben derartig leer und belanglos ist, dass sie ihr Dasein ohne einen Helden kaum ertragen. Offenbar hilft vielen die Identifikation mit einem Kerl, der besonders gut im Kreis herumfahren und Champagner verspritzen kann. Vom karmischen Standpunkt betrachtet ist es übrigens nicht weiter verwunderlich, dass jemand, der sein halbes Leben halsbrecherisch durch die Welt gerast ist, im Rollstuhl landet. Man kann nur hoffen, dass Schumi wieder ganz gesund wird. Damit er nicht demnächst sonntagabends vor der Tagesschau im Wechsel mit Monika Lierhaus die Gewinnzahlen der Glücksspirale in die Kamera stammelt.

Gestern wurde der blonde Recke aus Kerpen in den Abendnachrichten schnöderweise mit keinem Wort erwähnt, das wird heute an seinem Geburtstag wohl anders sein. Stattdessen ging es um Pofalla, dessen hässliche Hackfresse wir zukünftig zwar seltener auf den Bildschirmen erdulden müssen, weil er den Job im Kanzleramt los ist. Erleichterung und  Freude währten jedoch nur kurz, denn bald verdient sich der prinzipienlose Mistkerl eine goldene Nase im Vorstand der Deutschen Bahn. Verdient ist das falsche Wort, ergaunert wäre richtiger. Aber so ist die Welt eben, ungerecht und voller Tragik. Ich wünsche euch trotzdem ein frohes neues Jahr.

Ceterum Censeo: »Im Übrigen bin ich der Meinung, dass die Menschheit in rasantem Tempo und offenbar vorsätzlich ihre Lebensgrundlagen vernichtet. Nur radikal geändertes Denken und Handeln kann uns retten. Zur Umkehr bleibt kaum noch Zeit.«

 

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Lügenbaron

Geschrieben von Johannis am 11. November 2013 um 11:11 Uhr

Ich bin ein Arschloch. Manchmal. Kein fieses Arschloch, eher ein dämliches. Und dämliche Arschlöcher machen Fehler. Manfrau könnte allerdings auch sagen, dass ich im Grunde ein mitfühlender und liebenswerter Mensch bin, der manchmal nicht weit genug denkt und deshalb Fehler macht. Shit happens – es geht viel schief in der Welt. Nobody is perfect, wir alle machen Dinge verkehrt. Kleine und große Eseleien, Fehltritte aller Art, Irrtümer, Denkfehler – niemand ist frei davon. Als Konsequenz kann manfrau vor Scham im Boden versinken, ungenutztes Potenzial für Selbsthass aktivieren, heftige Schuldgefühle entwickeln, sich zum Zeichen der Reue mit der Peitsche kasteien oder einfach nur vor Kummer besaufen, weil manfrau mal wieder etwas verkehrt gemacht hat. Kein ungewöhnliches Muster.

Oder manfrau sieht den Fehler als das, was er ist: Eine Aufforderung und Gelegenheit zum Lernen, eine Chance, sich weiterzuentwickeln und zu wachsen. Das Leben ist ernst, aber es ist auch ein Spiel. Wenn manfrau beim Schach nicht aufgepasst und die Dame eingebüßt hat, muss manfrau sich danach kräftig anstrengen, um noch ein Remis rauszuholen. Vielleicht verliert manfrau das Spiel, aber danach werden die Figuren wieder aufgestellt, das Brett wird gedreht und ein neues Spiel beginnt. Den Fehler aus der letzten Runde wird manfrau kaum wiederholen, außer manfrau ist vergesslich oder ziemlich dämlich. Der Autor, Coach und Persönlichkeitstrainer Werner Ablass rät in seinem Buch „Leide nicht – liebe“ dazu, sich besonders dann zu lieben, wenn etwas richtig schief gegangen ist. Wir reden hier von Selbstliebe, von Agape. Das ist die unbedingte Liebe ohne ein Objekt, sie gilt sogar den Feinden. Jesus soll, mit schmiedeeisernen Nägeln durch Hände und Füße an ein grobes Holzkreuz genagelt und mit einer Dornenkrone auf dem blutenden Haupt, gesagt haben: „Herr, vergib ihnen, denn sie wissen nicht was sie tun.“ Eine solche Geisteshaltung ist Zeichen vollendeter Agape.

Von Wikipedia habe ich eben gelernt, dass es sogar den Agapismus gibt. Er geht auf den amerikanischen Philosophen Charles Sanders Peirce zurück, der vor 99 Jahren gestorben ist. Peirce sieht den Menschen als Teil eines evolutionären Prozesses, bei dem es um das Erreichen höherer Bewusstseinsstufen geht. Mutter Natur experimentiert und hat so immer komplexere und intelligentere Lebewesen geschaffen. Wenn ein Experiment fehlgeschlagen ist, wählt sie einen anderen Weg und wiederholt den Fehler nicht. Der Agapismus besagt, dass geistige Weiterentwicklung nur im Miteinander funktioniert. Ohne andere Menschen und die Kommunikation mit ihnen ist unsere Existenz und die Weiterentwicklung des Bewusstseins nicht möglich. Die Grundthese von Charles Sanders Peirce lautet, dass nur das Prinzip der Liebe (Agape), also die Überwindung der Selbstsucht und des Egoismus, zu Harmonie und echtem Fortschritt führt.

Sicherlich fragen sich jetzt einige LeserInnen, ob ich kürzlich von einer obskuren esoterischen Sekte entführt, mit bewusstseinsverändernden Drogen vollgepumpt und hinterher dreimal im Vollwaschgang gebrainwashed (sieht voll scheiße aus, sagt man aber heute so – man hat mich einer Gehirnwäsche unterzogen ist die Wortwahl des vergangenen Jahrtausends) wurde. Nein, macht euch bitte keine Sorgen. (Obwohl, wenn ich drüber nachdenke – eigentlich schade. So ein Ritual bei Vollmond, ich nackt auf den Altar gefesselt, blutjunge Tempeldienerinnen umringen mich im flackernden Fackellicht, vielstimmiger Gesang, dazu eine betörende Melodie, sie streifen ihre Gewänder ab und machen sich bereit, um mich zu… – aber ich schweife ab, im wortwörtlichen Sinne.) Es geht mir gut, und euch hoffentlich auch. Im Laufe des letzten Jahres ist meine lang vernachlässigte spirituelle Seite wieder erwacht, seitdem interessiere ich mich stärker für seelische Themen und geistige Inhalte. Deshalb lese ich nun auch Bücher von Leuten, um die ich früher einen Bogen gemacht habe. Eckhart Tolle zum Beispiel, den ich mittlerweile sehr schätze, oder auch Clemens Kuby. Ich meditiere und übe mich im Obertongesang – nicht täglich, aber immer wieder.

Das Klima spielt verrückt, Sydney war neulich schon im Frühjahr von verheerenden Buschfeuern umzingelt, in chinesischen Großstädten konnte man zeitgleich wegen des dichten Smogs kaum noch die Hand vor Augen sehen und die Philippinen wurden gerade vom wohl heftigsten Wirbelsturm aller Zeiten verwüstet. Tag für Tag informiert man uns, wie viele Menschen auch heute wieder bei Selbstmordattentaten in Bagdad getötet wurden. Kürzlich konnte man im ZDF sogar mit ansehen, wie in Wolgograd eine Bombe in einem fahrenden Bus gezündet wurde. Zerfetzte Körper flogen durch die Luft und landeten auf der Autobahn, das Ganze automatisch gefilmt von einer kleinen Videokamera, montiert auf dem Armaturenbrett eines hinter dem Bus fahrenden Autos. In Kanada wird unbeirrt und kaltlächelnd das zweitgrößte Flussdelta der Welt vergiftet, weil flussaufwärts Ölsand abgebaut wird. Die Lebensgrundlagen der Ureinwohner sind bereits ruiniert, wissenschaftliche Untersuchungen werden behindert und Prozesse verschleppt. Weil es nur um ein paartausend Rothäute geht, die starrsinnig der Profitgier im Weg stehen und unbedingt weiter Fisch aus dem Fluss essen wollen. Vor dem Abbau des Teersandes werden riesige Urwaldgebiete gerodet, dann fällt bei der Trennung von Öl und Sand giftiger Schlamm an. Etwa zwei Millionen Barrel täglich, mit reichlich Arsen, Cadmium und Quecksilber. Die Giftbrühe wird in natürliche Senken gepumpt, sickert von dort ins Grundwasser, landet so in den Flüssen und schließlich im Ozean. Lecker! Schon jetzt lagert dort auf über 100 km² Fläche genug Giftschlamm, um die gesamte Stadt Köln drei Meter hoch damit zu bedecken. Trotzdem wird geplant, das Abbaugebiet zu vervierfachen, es hätte dann die gleiche Fläche wie Frankreich. Irrsinn! Aber Kanada würde über ähnlich viel Ölreserven verfügen wie Saudi Arabien. Wo Fette Profite locken, da gibt es kein Halten.

Was ich euch damit sagen will? Eigentlich immer wieder das gleiche: Nur wenn wir unser Bewusstsein ändern – und mit WIR meine ich möglichst viele Menschen – haben wir auf Dauer eine Chance, als Gattung auf diesem Planeten zu überleben. Bisher gibt es kein Mittel, das man ins Trinkwasser mischen könnte und das zur bequemen Erleuchtung führt, sozusagen aus dem Kaffeebecher geschlürft. Industrie und Mainstream-Medien sind nicht an hellwachen und genügsamen Bürgern interessiert, denn die kaufen keinen unnützen Mist und lassen sich auch nicht von Verblödungsprogrammen berieseln. Wir müssen also mit der längst überfälligen Veränderung bei uns selbst anfangen. In unseren Köpfen und Herzen. Jeder für sich oder gemeinsam mit anderen. Und darauf hoffen, dass möglichst schnell möglichst viele von uns aufwachen. Damit wir endlich den selbstzerstörerischen Teufelskreis aus Dummheit, Gier, Negativität und Hass verlassen können. Agape, also das Prinzip der Liebe ohne Objekt, ist ein mächtiges Gegenmittel, auch wenn das vielleicht wie Spinnerei klingt. Und es ist wichtig, mit Selbstliebe anzufangen. Denn nur wer sich selbst liebt verhält sich liebevoll, wenn es um andere Menschen, um Tiere, Pflanzen, Flüsse, Wälder, Gletscher oder Plankton geht.

Selbstliebe, das klingt vermutlich seltsam und wohl auch schwierig. Fast jeder von uns kann reichlich Dinge benennen – körperliche Eigenschaften, Angewohnheiten, Verhaltensweisen et cetera – die manfrau weghaben will, ablehnt, echt zum Kotzen findet. Selbsthass ist einfach, erschreckend viele Menschen in den Industrieländern leiden darunter. Sie geben es vielleicht nicht offen zu, aber im Grunde mögen sie sich nicht, so wie sie sind. Und mögen auch die anderen nicht, so wie die sind. Deshalb wird auch so viel übereinander hergezogen, gelästert, gespottet und gemobbt. Auch ich reiße mein großes Lästermaul viel zu oft auf, zum Glück meist hier schriftlich im Blog. Und mache Fehler dabei, sehr bedauerliche Fehler.

In den letzten sechs Jahren habe ich immer mal wieder über Menschen geschrieben, die mir persönlich bekannt sind. Geschichten hier aus dem Haus, aus meinen Freundeskreis oder Sachen, die ich irgendwo auf geschnappt habe. Dabei mische ich Dichtung und Wahrheit, reichere die Realität oftmals mit Fiktion an, um das gewählte Thema plastisch zu machen, die Dinge deutlicher darzustellen. Manchmal waren die Beiträge unterhaltsam, gelegentlich dienten sie nur der Psychohygiene und nicht selten waren sie schlicht überflüssig. Weil negativ, abwertend, verächtlich. Seit 2007 hat man insgesamt dreimal von mir verlangt, dass ich ganze Beiträge oder zumindest Absätze lösche. Weil ich echte Namen genannt habe oder die beschriebene Person zu leicht erkennbar war, zum Beispiel für Bekannte und Familienmitglieder. Betroffen waren ein widerwärtiger Rechtsanwalt aus Berlin und ein egoistisches Starlet, das früher hier im Haus wohnte. Und einer meiner besten Freunde. Der Rechtsanwalt und das Starlet sind mir egal, auch um die gelöschten Text ist es nicht besonders schade. Aber in dem dritten Fall hat es mich die Freundschaft eines liebenswerten und sehr angenehmen Menschen gekostet. Weil ich einen Fehler machte, nicht genug nachdachte, meine große Fresse zu weit aufgerissen habe. Mich dumm und unsensibel verhalten habe und sein Vertrauen missbrauchte. Für einen vielleicht recht ordentlich geschriebenen, aber im Grunde banalen Text verlor ich einen guten Freund. Shit happens.

Selbstverständlich habe ich ihn wiederholt um Verzeihung gebeten, meinen Fehler sofort eingesehen und angemessen bedauert, mich demütig beschimpfen und heftig beleidigen lassen, und danach erneut um Vergebung gebeten – aber vergebens. Vier Jahre Freundschaft dahin und wenig Hoffnung, dass es noch einen Weg zurück gibt. Und jetzt, wie gehe ich damit um? Im Rahmen meiner Möglichkeiten liebevoll. Wenn der verlorene Freund mir nicht verzeihen kann oder will, ist das menschlich und verständlich. Wenn ich mir selber meinen Fehler nicht verzeihen würde, wäre das dumm und destruktiv. Buddha führte das unermessliche Leiden in der Welt auf drei Ursachen zurück – Gier, Hass und Verblendung. Immer mehr von etwas haben wollen, den Hals nicht voll kriegen können. Gier. Das, was ist – also die Realität, egal ob in anderen Menschen, Dingen oder sich selbst – ablehnen. Hass. Und nicht kapieren, wie man durch das eigene Denken, Reden und Handeln sein eigenes Leid verursacht. Verblendung. Nicht unbedingt alles Leiden, aber zumindest einen großen Teil. Es ist easy, sich toll zu finden und gut zu fühlen, wenn im Urlaub die Sonne scheint, man kerngesund ist, wenn alles glatt läuft und die Leute klatschen. Sich selbst zu lieben, wenn die Dinge schief laufen oder man richtig Scheiße gebaut hat, ist nicht einfach. Eine echte Herausforderung. Ich nehme sie an und hoffe, dass mein Freund (der mit mir nichts mehr zu tun haben will) eines Tages diesen Text lesen wird. Und mir eine zweite Chance gibt, nach dem Motto: „Herr, vergib ihnen, denn sie wissen nicht was sie tun.“

Ceterum Censeo: »Im Übrigen bin ich der Meinung, dass die Menschheit in rasantem Tempo und offenbar vorsätzlich ihre Lebensgrundlagen vernichtet. Nur radikal geändertes Denken und Handeln kann uns retten. Zur Umkehr bleibt kaum noch Zeit.«

 

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Heimsuchung

Geschrieben von Johannis am 17. Oktober 2013 um 10:07 Uhr

FDP ist wie Herpes, so was kommt immer wieder. Sind die fiesen, nässenden Lippenbläschen schließlich abgeheilt und ist auch die krustige Borke im Mundwinkel endlich verschwunden, hat manfrau meist etwa ein Jahr Zeit, bis der latent im Körper schlummernde Virus wieder ausbricht. Bei der FDP – wurde kürzlich durch die unermessliche Weisheit des Wählers, aus karmischen Gerechtigkeitsgründen oder schlicht wegen eines glücklichen Zufalls verdientermaßen mit Schimpf und Schande aus dem Berliner Bundestag vertrieben – hatten viele Zeitgenossen gehofft, dass wir vier Jahre Ruhe vor dieser Plage haben werden. Mindestens. Sieht nicht danach aus.

Gerade mal drei wohltuende Wochen sind vergangen, in denen die verlogenen Fratzen von Philipp Rösler, Dirk Niebel oder Daniel Bahr nicht mehr vor unseren Augen über die Mattscheiben flimmerten. Es gibt zwar noch reichlich Ohrfeigengesichter in der Regierung, aber eine gewisse Linderung der Volksbefindlichkeit war durchaus spürbar. Wer vermisst denn bitte Kristina Schröder, formal Familienministerin, de facto jedoch nur ein Heißluftgebläse im Körper eines stets schnippisch angesäuerten Blondinencyborgs mit dem Wirkungsgrad eines zweimal angelutschten Globuli (das soll jetzt kein Seitenhieb auf die Homöopathie sein)? Gut, die Erfinderin der Flexiquote für Frauen in Führungspositionen (zur Beeinflussung der Wirtschaft und Bekämpfung des allgegenwärtigen Chauvinismus etwa so gut geeignet wie ein ausgeleiertes Schlüpfergummi zum Bau einer anständigen Zwille) ist kein FDP-Mitglied, sondern bei der CDU. Und bleibt von nun an zuhause, wo sie sich auf die Mutterrolle konzentriert und ihre Pension verfrühstückt. Egal, weg ist weg, ein Segen!

Die Sondierungsgespräche zur Regierungsbildung liefen bisher nicht gut. Im Wahlkampf mussten sich die Grünen ständig verspotten und beschimpfen lassen, aber jetzt sollten sie mit Hotte Seehofer und Mutti Merkel an einem Tisch sitzen, um über Steuererhöhungen, Asylfragen und Umweltthemen verhandeln. Das konnte eigentlich nicht gut gehen und folgerichtig wurden gestern alle schwarz-grünen Visionen beerdigt. Allerdings betonte Cem Özdemir hinterher wortreich, dass die Tür nicht zugenagelt sein. Die Hintertür zu neuen Verhandlungen, falls die SPD nicht auf den Koalitionszug aufspringt. Finde ich echt abgefuckt, denn nun setzen sich die ehemaligen Wahlkampfpartner Rot und Grün gegenseitig unter Druck. Nach dem Motto, wenn du nicht mit Mutti und Hotte ins Bett steigst, ich tu’s.

Leute mit gesundem Menschenverstand drängt sich mittlerweile der Verdacht auf, dass auch unsere Kanzlerin längst gegen einen Cyborg ausgetauscht wurde. Einst als Klimakanzlerin gelobt und gepriesen, vertritt sie nun vor allem die Interessen der deutschen Automobilindustrie. Deshalb schickte sie Peter Altmaier (spricht zwar mit gespaltener Zunge, doch über Hasenscharten macht man keine Witze) nach Brüssel, um dort einen schon vor Monaten ausgehandelten EU-Klimakompromiss zu torpedieren. Ab 2020 sollten strengere Werte für den Kohlendioxidausstoß gelten, und zwar bezogen auf die gesamte Fahrzeugflotte jedes Herstellers. Das ließ Mutti verwässern und auf 2024 verschieben, wegen der dicken Benze, BMWs und Audis. Offenbar steckt erheblich mehr Gerhard Schröder in Angela Merkel, als manfrau gedacht hat, und das soll jetzt kein schlüpfriger Witz sein.

Selbstverständlich bestreitet die CDU jeden Zusammenhang zwischen den knapp 700.000 €, die Familie Quandt (Mehrheitseigentümerin des BMW-Konzerns) letzte Woche der CDU spendete und dem fünf Tage später folgenden deutschen Veto gegen eine Verschärfung der EU-Abgasregelungen. Klar, war Zufall, das kapiert jeder. Wenn mir morgens beim Frühstück eine gebutterte und mit Meinbeergelee (ja, den versteht nicht jeder sofort) bestrichene Toastscheibe vom Tisch fällt, hat das ja auch nix mit der Schwerkraft zu tun. Ja, natürlich landet sie auf der Marmeladenseite. Murphy’s Law, vom britischen Mathematiker Robert Matthews in einem Großversuch mit 150.000 Schülern bewiesen. Man kann nur hoffen, dass Murphy’s Law auch für das CDUCSU-Gesocks gilt und dem kackdreisten Pack diese unverschämte Gefälligkeit mit Karacho ins Gesicht fliegt. Wie Scheiße aus einen Ventilator, der auf höchster Stufe rotiert. Politiker sind käuflich, daran besteht kein Zweifel. Das gilt nicht nur für Diktaturen und Bananenrepubliken, sondern auch für unser armes und trotzdem stinkreiches Land. Leider sind die meisten Politiker abstoßend und hässlich, sonst würde ich mir vielleicht mal ein Stündchen käuflicher Dienste leisten. Ilse Aigner mal zeigen, wo der Hammer hängt und die Glocken läuten? Lieber nicht. Ich hab noch nie für sexuelle Freuden bezahlt (jedenfalls nicht mit Geld, mit Tränen schon) und das soll auch so bleiben. Außerdem darf bezweifelt werden, ob Sex mit Ilse Aigner eine  Freude ist.

Die Chancen für eine große Koalition stehen übrigens auch schlecht, denn am Montag verließ das gesamte SPD-Verhandlungsteam wütend jenen Raum, in dem eigentlich sondiert werden sollte. Wenn sie ihre Forderung nach einem flächendeckenden Mindestlohn von 8,50 € durchbrächten, würde die Popularität der Sozialdemokraten beim Volk wahrscheinlich deutlich steigen. Das können Seehofer und Merkel natürlich nicht zulassen und mauern entsprechend. Andrea Nahles, die Claudia Roth der SPD, ließ folgerichtig verlauten, dass die Parteibasis sich wohl kaum für eine Zusammenarbeit mit der CDU entscheiden wird. Also kein Schwarz-Rot, kein Schwarz-Grün, und Schwarz allein kann’s nicht. Konsequenz: Neuwahlen. Und wenn das strunzdumme Volk wieder zu den Urnen gerufen wird, dann haben wir hinterher garantiert die FDP wieder am Hals. Der Pöbel will weiterhin von Merkel regiert werden, weil es uns unter der moppeligen Matrone aus der Uckermark angeblich so gut geht.

Apropos schlüpfrige Witze: Neben dem weit verbreiteten Lippenherpes gibt es ja auch noch das Genitalherpes. (Weil die deutsche Wikipediaseite nicht viel hergibt, verlinke ich euch die englische Version mit wirklich anschaulichen Fotos). Der Erreger wird zwar durch Schleimhautkontakte übertragen, das muss aber nicht beim traditionellen Reinrausspiel passieren. Sicherlich, die FDP hat uns jahrelang gefickt, aber Genitalherpes kann man sich auch durch einen Kuss von Mutti einfangen. Falls übrigens demnächst Neuwahlen stattfinden und wir danach erneut von der FDP heimgesucht werden, lautet meine Diagnose Ganzkörperherpes. Lässt sich medikamentös nicht behandeln, geht zwar alle 64 Jahre kurz von selber weg, kommt dann aber wieder. Schlimmer als zuvor.

Dirk Niebel, der von mir aufrichtig verabscheute Minister für Entwicklungshilfe und internationale Zusammenarbeit (nebenberuflich im Teppichimportgeschäft tätig), soll ja geweint haben, als am 22. September klar wurde, dass die FDP an der Fünf-Prozent-Hürde scheitert. Schade, ich hab’s leider nicht gesehen. So viel Gefühl hätte ich dem vierschrötigen Träger der Landsermütze gar nicht zugetraut, aber wahrscheinlich war’s eh nur Selbstmitleid. Der schöne Job, das viele Geld, preiswert einkaufen in Afghanistan und anderswo, vor jeder Kamera groß die Fresse aufreißen dürfen – alles vorbei! Denn sogar wenn die FDP durch grassierende Volksblödheit wieder ins Parlament gewählt würde – den dämlichen Dirk werden sie nicht wieder zum Minister machen.

Ich tippe also darauf, dass Sozen und Grüne nach dem voraussehbaren Scheitern der Sondierungsgespräche Mutti Merkel mit einer Minderheitsregierung auf die Schnauze fallen lassen. Aus Rache. Verständlich, aber auch das wird sich leider rächen. Nach dem nächsten Urnengang haben wir dann wieder die schwarzgelbe Pest am Hals, von wo sie sich ausbreiten wird wie Ganzkörperherpes. Armes Deutschland! Jetzt hilft nur noch Beten, also betet Leute, bitte betet!!

(Hinweis in eigener Sache: Dies ist tatsächlich der 600ste Beitrag in meinem Blog. Seit gut sechs Jahren stecke ich als Perlenschwein meine Nase in Dinge, die mich was angehen. Und in alles Andere. Zur Feier des Tages kommt mal wieder ein frecher Text, der kräftig mit Sarkasmus gewürzt ist. Wie in den guten alten Zeiten. Von spontanen Gratulationsbesuchen bitte ich abzusehen, Geldgeschenke, Marzipan und Nougat bitte an die übliche Adresse. Danke für alles, auch für treue Leserschaft.)

Ceterum Censeo: »Im Übrigen bin ich der Meinung, dass die Menschheit in rasantem Tempo und offenbar vorsätzlich ihre Lebensgrundlagen vernichtet. Nur radikal geändertes Denken und Handeln kann uns retten. Zur Umkehr bleibt kaum noch Zeit.«

 

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