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Angstbeißer, Neidpisser und Speichellecker

Geschrieben von Johannis am 11. März 2010 um 11:17 Uhr

Hartnäckige Leser wissen, dass ich wenig Sympathie für Hunde hege. Sie riechen mir zu streng, äußern sich zu laut, scheißen zu große Haufen und sind mir ganz allgemein zu hündisch. Ein Tier, das mit Blick, Hecheln und Schwanzwedeln ständig meinen Segen für seine Existenz erbittet, ist mir zu devot. Hunde hingegen, die nur Blödsinn im Kopf haben, vor fahrende Autos oder in Nachbars Garten rennen, im Wald kleine Rehkitze zu Tode hetzen oder hinterm Sofa Ledersandalen kaputt kauen, sind mir zu anstrengend, brutal und dämlich. So weit, so gut.

Täglich in der Frühe, kurz nachdem ich wach geworden bin, werfe ich mir einen eleganten Morgenmantel über, strubbele flink durch mein flachsblondes Haar, öffne die Wohnungstür und schaue ins Treppenhaus. Nur zur Kontrolle, wegen der Groupies. Es könnte dort ja jenes wundervolle Wesen warten, mit dessen Ankunft ich seit einigen Jahren nahezu stündlich rechne. Nein, natürlich kein Hund, sondern eine angenehm proportionierte Frau voller Liebreiz, Geist und Humor, die mit mir meine Restlaufzeit verbringen möchte, sich von mir unterhalten (intellektuell oder mit Geschichten, nicht finanziell), ernähren (wenn ich gekocht habe, was sie vom Supermarkt herangeschleppt hat) und beschützen lassen will (ja, auch nachts gegen streunende Köter, egal ob in der Stadt oder auf mediterranen Urlaubsinseln), bis es Zeit wird, dass sie mein müdes Haupt in einen mit weißem Satin gepolsterten Eichensarg bettet und dann regelmäßig die Buchsbaumhecken auf meinem Grab stutzt. Bisher ist sie noch nicht eingetroffen, findet wohl die Hausnummer nicht. Frauen haben ja angeblich nicht so den tollen Orientierungssinn.

Das allererste, wonach ich morgens im Treppenhaus Ausschau halte, ist jedoch ein Hund. Also ihr Hund. Wenn du, holde Verkörperung meiner unerfüllten Wunschträume, nämlich Hundebesitzerin bist, wird das nix mit uns. Sorry. Falls du aber einen grau getigerten Kater oder in Gottes Namen zwei verträgliche Katzen dein eigen nennst, ist das kein Problem. Außer, wenn wir auf lange Auslandsreisen gehen wollen – aber für den Fall hast du hoffentlich noch Eltern oder ausreichend gute Freunde ohne Katzenhaarallergie. So, nun ist doch wohl alles klar zwischen uns, oder?

Nur zur Richtigstellung, ich war als Kind kein Hundehasser. Wir hatten zuhause sogar mal einen Hund, Hedi vom Hirschhof, Rauhaardackelhündin und wirklich ein angenehmes Tier. In jenem Sommer ging ich brav in kurzer Lederhose zur Grundschule und sie am Wochenende mit meinem Vater zur Jagd. Bei einem innerdeutschen Umzug der Familie blieb Hedi aus Gründen, die ich ohne mein Erbteil zu riskieren hier unmöglich erläutern kann, für immer zurück. Das zu meiner Hundesozialisierung. Katzen mochte ich hingegen nicht besonders, bevor eine Mitbewohnerin uns im Jahr 1984 den Konrad ins Haus schleppte. Aus dem Tierheim und grau getigert. Was habe ich abgelästert über sie und ihre rührseligen Kolleginnen (ich wohnte mit drei Frauen zusammen, vielleicht erklärt das im Nachhinein einiges), und nach vier Wochen war ich dem Kater komplett verfallen. Klug, witzig und charmant. Der saß sogar auf dem Luftfilterkasten und kuckte zu, wenn ich an meinem Opel Rekord 1900 rumbastelte. Wirklich. Leider hat man ihn uns ein paar Jahre später vor der Haustür weggeklaut, weil wir noch keine Katzentür hatten und er seinen Schlüssel nicht finden konnte.

Mein Gott, schon eine dreiviertel Seite vollgeschwallert und noch kein Wort zum Thema. Es soll um die Leser gehen, vor allem um die bloggenden. Über 100 Millionen Blogs weltweit, und hinter jedem verbirgt sich ein Mensch voller Hoffnung, Schreibwut und mit meist brennender Sehnsucht nach Aufmerksamkeit und Anerkennung. Okay, manchmal entblößt sich dort auch nur jemand, der besser in einer klientenzentrierten Gesprächstherapie aufgehoben wäre. Die meisten Blogger werden im Netz ja einfach nur ignoriert, manche merken das aber nicht und schreiben trotzdem. Und kommentieren dann bei anderen Bloggern, um dort ein paar Leser abspenstig zu machen oder wenigsten etwas Feedback von einem anderen Loser zu kriegen. Kenn ich, hab ich alles schon durchgemacht. Been there, done it, got the T-Shirt.

Lästig wird es nur, wenn angeborene Distanzlosigkeit, chronische Ironieresistenz und zu hohes Projektionsvermögen mit Störungen des Hormonhaushalts zusammenfallen – dann hat man plötzlich Fans am Hals, die man seinen ärgsten Feinden nicht wünschen möchte. Veritable Blogstalker. Leute die superlästig werden können und einen rechtschaffenen Schreiberling in ihrem ungebetenen Kommentaren ruckzuck wüst beschimpfen, weil man ihnen leider verbal keinen runterholen wollte. Falls sie selber Blogger sind, gehen sie manchmal sogar dazu über, das Objekt ihrer Hassliebe in gebloggten Schmähschriften zu attackieren und übelst zu verleumden. Schlimmstenfalls liest das sogar jemand, aber da Stalker (auch als Trolls bekannt) meist zu jenen Leuten gehören, die keine drei Sätze ohne grammatikalischen Kollateralschaden auf die Reihe kriegen, ist die Gefahr gering. Blogstalker zähle ich zu den Neidpissern, sie können sehr lästig sein und sind schwer loszuwerden.

Angstbeißer sind nur halb so schlimm. Die streunen ein bisschen ängstlich durchs Netz, stolpern über einen Beitrag oder ein Bild (vorzugsweise hübsche junge Bloggerin im schulterfreien Gewand), kommentieren wiederholt und heftig, und warten dann aufs verbale Leckerli. Wenn das Leckerli nicht kommt, oder man sie (weil sie den Hinweis übersahen „Kommentieren Sie hier keinesfalls Beiträge, wenn Sie Antworten erwarten oder keinen Spott vertragen“) womöglich gar subtil verspottet, werden sie stinkwütend, toben sich einige Zeilen lang aus, und dann ist man sie los. Für immer. So halte ich die Zahl meiner Leser überschaubar und den Pflegeaufwand für diesen Blog in vertretbarem Umfang.

Speichellecker kann man fast ignorieren. Die schreiben irgendwas Nettes und hängen ihre Webadresse oder einen Link dran, in der Hoffnung, dass Millionen meiner Leser hinterher bei ihnen biologisch-dynamische Fahrradreifen kaufen oder ihr Schwarzgeld anlegen wollen. Da löscht man eben den Link und lässt sie weiterträumen. Ekelt ihr euch eigentlich auch, wenn im Film jemand von seinem Hunde geweckt wird, weil der Köter dem Schläfer das Gesicht abschleckt? Küsst ihr eure Hunde, wenn ihr welche habt?

So, ich muss dringend Schluss machen. Nöh, nicht weil heutzutage kaum jemand so lange Texte liest, das kenn’ ich ja. Nein, ich höre aus dem Treppenhaus das klagende Maunzen einer Katze. Hoffentlich ist endlich mein Seelenzwilling angekommen, samt felinem Haustier, und heute ist der erste Tag vom Rest meines Lebens. Aber wahrscheinlich ist es nur der fette schwarze Kater von gegenüber, der immer rausflitzt, wenn die Nachbarin den Müll runter bringt. Kaum ist sie wieder drin und er allein im Treppenhaus, jammert er uns allen die Hütte voll. Wie manche Leser, wenn man einen ihrer sterbenslangweiligen Kommentar gelöscht hat.

Genug für heute.

Ceterum Censeo: »Im Übrigen bin ich der Meinung, dass die Menschheit in rasantem Tempo und offenbar vorsätzlich ihre Lebensgrundlagen vernichtet. Nur radikal geändertes Denken und Handeln kann uns retten. Zur Umkehr bleibt kaum noch Zeit.«

 

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Wieso Völkermord?

Geschrieben von Johannis am 8. März 2010 um 08:27 Uhr

Hillary Clinton, Ehefrau von okay-Monica-hat-mir-manchmal-einen-geblasen-aber-das-war-doch-wohl-kein-Sex-Bill, hat sich energisch für die Volksehre der Türken eingesetzt. Anders als geplant soll eine Resolution, die den Tod von rund anderthalb Millionen Armeniern behandelt, im amerikanischen Kongress das böse V-Wort nicht nennen oder am besten gleich ganz in der Versenkung verschwinden. Dann kann der erzürnt abgereiste türkische Botschafter wohl bald nach Washington zurückkehren.

Zwar wurden fast alle Armenier aus der Türkei vertrieben, und speziell in den Jahren 1915 bis 1917 starben Hundertausende bei Massakern oder auf den berüchtigten Todesmärschen. Aus Rücksicht auf den türkischen NATO-Partner, aufrechten Kämpfer für die Menschenrechte und Miterfinder der modernen Demokratie soll dies jedoch nicht als Völkermord bezeichnet werden. Stattdessen haben sich die Diplomaten für die Resolution, falls sie das Repräsentantenhaus tatsächlich erreichen sollte, auf den Begriff „dummer Zufall“ geeinigt.

Parallel dazu wird der Holocaust in Geschichtsbüchern, wenn überhaupt, zukünftig als „unerklärlicher Judenschwund“ erwähnt. Auch die 25 Millionen Chinesen, die 1958 bis 1960 während des von Mao Tse-tung angeordneten “Großen Sprungs nach vorn” angeblich verhungerten, erlagen in Wahrheit einer populären Nahrungsmittelunverträglichkeit.

Ceterum Censeo: »Im Übrigen bin ich der Meinung, dass die Menschheit in rasantem Tempo und offenbar vorsätzlich ihre Lebensgrundlagen vernichtet. Nur radikal geändertes Denken und Handeln kann uns retten. Zur Umkehr bleibt kaum noch Zeit.«

 

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Sonntagsworte

Geschrieben von Johannis am 7. März 2010 um 08:57 Uhr

Meine Schwester wäre in der Neunten fast von der Schule geflogen, also kam sie aufs Internat. Besonders beneidet habe ich sie nie, schließlich konnte ich weiter in der Garage am Moped rumschrauben, hatte mein eigenes Zimmer und durfte allein duschen. Andererseits – hätten meine Eltern mich auch auf so eine Elite-Schule geschickt, wären mir später die bohrenden Minderwertigkeitskomplexe erspart geblieben, weil ich erst mit Neunzehn das erste Mal Sex hatte.

Ceterum Censeo: »Im Übrigen bin ich der Meinung, dass die Menschheit in rasantem Tempo und offenbar vorsätzlich ihre Lebensgrundlagen vernichtet. Nur radikal geändertes Denken und Handeln kann uns retten. Zur Umkehr bleibt kaum noch Zeit.«

 

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Nie wieder Thunfisch-Pizza

Geschrieben von Johannis am 6. März 2010 um 09:04 Uhr

1981 bin ich mal mit dem Fahrrad nach Spanien gefahren. Von Isny im Allgäu, wo ich damals wohnte, quer durch die Alpen bis in ein kleines Dorf in Katalonien, um dort an einem Theaterworkshop teilzunehmen. (Ja, das war ein ziemlich bizarrer Trip und ich heilfroh, dass mein Drahtesel auf dem Dachgepäckträger eines überladenen Renault R16, in welchem ich mich zwischen Kindern, Kotztüten und Kanistern mit Olivenöl schmal machen durfte, nach Deutschland zurückkehrte.) Unterwegs in der Schweiz kam ich an einer Hühnerfarm vorbei. Mitten in der alpinen Pampa stand auf der grünen Wiese eine flache Halle mit einer Tür aus Gitterdraht, und vielstimmiges Gegackel drang an mein Ohr.

Neugierig und mit müden Beinen schob ich mein Rad samt all den Sattel- und Packtaschen (ich hatte irrwitzig viel Zeug dabei und fluchte deshalb an jeder Steigung) über einen lehmigen Feldweg und schaute mir das seltsame Gebäude an. Der Raum hätte vielleicht für zwei Tennisplätze ausgereicht, vorausgesetzt man wollte nur flache Bälle schlagen, und die Halle war von Wand zu Wand komplett mit jungen Masthähnchen angefüllt. Als ich ans vergitterte Tor trat, gerieten die Vögel sofort in Panik. Sie flatterten übereinander und drängten sich in dem Versuch, wenigstens einen kleinen Halbkreis zwischen sich und den feindlichen Zweibeiner zu legen, noch enger zusammen.

Tausende schmutzigweißer Hähnchen zusammengepfercht in einem vollgekackten und stickigheißen Schuppen, der widerliche Gestank und das panischen Gefiepse jener Vögel, die schon wenige Wochen später knusperbraun und fettglänzend auf einem Spieß rotieren und dann, von einer Geflügelschere sauber halbiert, mit Pommes und Ketchup auf einem Teller landen sollten – diese Mixtur aus Sinneseindrücken und Gedanken gehörte zu den vielen Anstößen, die mich etwas später zum Vegetarier werden ließen.

Bis Ende der Neunziger Jahre habe ich weitgehend auf Fleisch und Fisch verzichtet, obwohl mir eigentlich fast alles schmeckt, was Beine, Flossen oder Flügel hat und größer als eine Wanderheuschrecke ist. Irgendwann kam dann meine radikale Anti-Dogma-Phase. Unterstützt wurde der Sinneswandel durch regelmäßige Projekt-Besuche in Nepal, wo mir als Ehrengast auch in ärmlichen Dörfern gern etwas Huhn- oder Ziegenfleisch in scharfer Currysoße serviert wird. Solcherart kulinarische Gaben von Menschen abzulehnen, die selbst oftmals nur Reis, Linsen und  Mangold auf dem Blechteller haben, erfordert eine Herzlosigkeit, die ich nur an ungewöhnlich schlechten Tagen aufbringe. Also esse ich seit gut zehn Jahren wieder Fisch und Fleisch, wenn auch in bescheidenem Umfang.

Obwohl ich ganz ordentlich kochen kann (wie Freunde zur Not sogar bestätigen würden) konsumiere ich gelegentlich Dinge, die in Amerika Convenience-Food heißen. Meine Hitliste im Bereich Bequemlichkeits-Futter führt seit Jahren die Tiefkühl-Pizza an, gern von Feinkost-Albrecht. Formfleisch- und Kunstkäseskandale lassen mich schon länger auf Schinkenpizza verzichten, und Salami entwickelt bei 225 Grad einen unangenehmen Geruch, der mich beim Betreten der Küche auch am nächsten Morgen noch stört. Also blieben nur Thunfisch und Spinat als Alternativen.

In dem Bemühen meine Grundbefindlichkeit auf ein historisches Tief zu drücken, und weil ich für ein Langzeitprojekt möglichst viel deprimierende Fakten zur Lage des Planeten sammele, las ich kürzlich das neue Buch von Taras Grescoe. Es hat den Titel „Der letzte Fisch im Netz“ und wurde von einem kanadischen Journalisten geschrieben, der eigentlich sehr gern Fisch isst. Auf 520 gut geschriebenen Seiten informiert er nun aber die Leser, warum man sich den Verzehr von Schuppigem in den meisten Fällen dringend überlegen sollte. Wer es unbedingt wissen will, weiß natürlich längst, dass die industrielle Fischerei mit Fabrikschiffen und Hochseetrawlern auf Seeteufelkommraus die Meere leer fischt, und ihrem Ziel einer Ausrottung der meisten Bestände bereits erschreckend nahe gekommen ist. Dabei ist es egal, ob der Kabeljau zu klein und kaum noch fortpflanzungsfähig ist, ob tonnenweise unerwünschter Beifang halbtot ins Meer oder den Möwen zum Fraß vorgeworfen wird, oder ob die Zucht von Lachs und Garnelen ganze Küstenabschnitte verseucht – Hauptsache die Kasse klingelt noch ein paar Jahre.

Die meisten Ozeane haben allerdings schon klein beigegeben, nur der störrische Pazifik wehrt sich noch ein bisschen. Diese interessante Dokumentation (abrufbar in der ZDF-Mediathek hier) von den Marshall-Inseln verquickt verschiedene Themen: Wegen des Klimawandels absaufende Pazifikinseln, die bewusst in Kauf genommene radioaktive Verstrahlung der Insulaner bei amerikanischen Atombombentests auf dem Bikini-Atoll, und die Ausplünderung des widerspenstigen Ozeans mithilfe von kilometerlangen Langleinen und gigantischen Schleppnetzen durch China und andere Nationen, die den Mikronesiern die Fischereirechte für ein Taschengeld abgeluchst haben. Sehr empfehlenswert, wenn’s von selbst mit den Depressionen nicht recht klappen will.

Was denn jetzt mit der thematischen Pizza-Connection ist? Ach ja. Im Januar wurde in Japan ein Blauflossenthunfisch (diese Spezies ist fast vollkommen ausgerottet) für den Rekordpreis von 121.000 Euro versteigert und dann zu Sushi verarbeitet. Der Rekordfisch wog 230 Kilo und hatte somit einen Grammpreis von knapp 53 Cent, das ganze Viech vom Kopp bis zur Schwanzflosse. Auf der Thunfischpizza von Aldi (Mama Mancini, 365 Gramm) sind 12 % Thunfisch, also rund 44 Gramm, und die Pizza kostet im Doppelpack 2,79 €. Mit geschreddertem Blauflossenthun belegt müsste die Aldi-Pizza demnach gut 23 Euro kosten, pro Stück, wenn man andere Zutaten und Profitabsichten mal großzügig ignoriert. Wahrscheinlich bestanden die bräunlichen Schmodderbrocken auf meiner allerletzten Thunfischpizza vorwiegend aus dem fünfmarkstückgroßen (aktueller Bezug auf die bevorstehende Währungsreform im Euro-Raum!) Bereich um den Darmausgang des Thunfisches, etwas Bauchlappen und den Rändern der Brustflossen.

Wie auch immer. Ich hoffe, dass ich niemandem den Appetit verdorben habe. Aber schließlich wissen wir längst, dass Tomaten und Paprika heutzutage nicht mehr aus fruchtbarer Ackerscholle, sondern nur noch unter Glas auf mit Flüssigdünger getränkter Steinwolle wachsen. Schlachtreife Hähnchen, wie damals in der Schweiz, werden mittlerweile nicht mehr von Hand eingefangen, sondern mit rotierenden Gummibesen aus dem Stall auf Fließbänder gebürstet und von dort in Kisten gepresst, die dann per LKW zum vollautomatischen Chicken-Massaker rollen. Das dabei anfallende Blut wird übrigens sprühgetrocknet und landet als Eiweißspender wo? Im Tierfutter, genau. Tja, so isses eben. Und Bauern leben in erster Linie von EU-Subventionen, aber nicht von der Herstellung dessen, was man früher altmodisch als Lebensmittel bezeichnete. Ich bin ein nörgelnder alter Miesepeter? Ja, leider.

Hoffentlich wird der Blattspinat auf meiner Spinatpizza einfach nur von Acker gemäht und gewaschen, sonst kann ich mir die Heimpizzanummer bald komplett abschminken.

Ceterum Censeo: »Im Übrigen bin ich der Meinung, dass die Menschheit in rasantem Tempo und offenbar vorsätzlich ihre Lebensgrundlagen vernichtet. Nur radikal geändertes Denken und Handeln kann uns retten. Zur Umkehr bleibt kaum noch Zeit.«

 

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Vergesst Haiti, spendet für Griechenland!

Geschrieben von Johannis am 3. März 2010 um 16:58 Uhr

Mitleid mit den Opfern von Naturkatastrophen, mit Krüppeln und Leprösen – das ist leicht. Aber erst wer Nachsicht und Mildtätigkeit auch jenen erweist, die ihr Unglück durch eigene Schuld und Dämlichkeit auf sich geladen haben, ist wahrhaft großzügig. Solcherart Güte wird karmisch viel höher bewertet, oder – für diejenigen, die nicht an Wiedergeburt und Karma glauben – vom lieben Gott zehnfach belohnt. Mindestens.

Der öffentliche Dienst der Griechen hat für den 16. März erneut zum Generalstreik aufgerufen, und das vollkommen zu Recht. Brutalstmögliche Eingriffe ins Portemonnaie sollen die Staatsdiener hinnehmen, um ihrem verschuldeten Land aus der Pleitepatsche zu helfen. 30 Prozent Kürzungen bei Weihnachtsgeld und dem 14. Monatsgehalt – das trifft Menschen, die oftmals bis ins hohe Alter von 52 Jahren arbeiten müssen, knüppelhart. Wer kann sich noch an die lang vergangenen Zeiten vor der deutschlandweiten Einführung des 15. Monatsgehalts für alle Arbeitnehmer erinnern? Ich nicht, das war vor meiner Geburt. Und nun sollen unsere sirtakitanzenden Freunde vom Peleponnes plötzlich Mehrwertsteuer auf sämtliche Waren und Dienstleistungen zahlen, brav Quittungen ausstellen und ihre schöne Schattenwirtschaft ins grelle Licht der Neider aus Brüssel zerren lassen? Pfui!

Ich werde noch heute ein paar Euros spenden, denn als Zahlungsmittel sind die wohl nicht mehr lange gültig. Fast alle internationalen Hedgefonds wetten mittlerweile große Summen gegen den Euro, und ich bin zuversichtlich, dass auch die Spanier und Portugiesen noch in diesem Jahr Bankrott anmelden werden. Also bekommen wir die D-Mark wieder. Das freut mich, weil ich noch zwei grüne Fünfmarkscheine gebunkert habe. Wie der Wechselkurs dann sein wird? Na ja, so wie damals die Preise angepasst wurden. Eins zu eins.

Ceterum Censeo: »Im Übrigen bin ich der Meinung, dass die Menschheit in rasantem Tempo und offenbar vorsätzlich ihre Lebensgrundlagen vernichtet. Nur radikal geändertes Denken und Handeln kann uns retten. Zur Umkehr bleibt kaum noch Zeit.«

 

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